BÖSE ZUKUNFT – CHARLES C. NOX

Schreibwettbewerb für Horror-Autoren

Maximilian war auf dem Weg nach Hause. Es stürmte. Die Wolken hatten sich dunkel verzogen. Regen perlte herunter, faltete Grasbüschel und bildete Pfützen.

Der Tag hatte gut angefangen, mit viel Sonne und angenehmen Temperaturen, sodass Maximilian eine leichte Sommerjacke mitgenommen hatte. Das Studententreffen in der Kneipe, im Nachbarort, drei Kilometer entfernt, war keine zwei Stunden gegangen. Sie hatten sich zusammengesetzt. Maximilian und seine Freunde, um über die nächste Ausgabe der Stundenzeitung zu sprechen.

Sie waren elf gewesen und jeder hatte eine Idee zum nächsten Thema gehabt.

Maximilian hatte sich eingebracht. Nach drei Jahren, die er bei der Zeitung tätig war, war es seine Aufgab gewesen, über das nächste Thema zu bestimmen. Bereits vor dem Treffen hatte er darüber nachgedacht. Ein Artikel über Sport vielleicht, etwas über Kultur – ein politisches Thema oder doch etwas anderes? Weit war er nicht gekommen.

In einem Tisch, in der Ecke der Kneipe, hatten sie gesessen. Neben ihnen war ein Fenster gewesen – verspiegelt. Zahlreiche Reliquien hatten die Wände geschmückt. Bilder von Landschaften, von Häusern auf Hügeln, die in der Gegend herumstanden. Ein Hirschgeweih und der dazugehörige Kopf, dessen leere, leblose Augen verstörend geleuchtet hatten. Nach zwei Stunden hatte sie sich geeinigt: Horror. Das sollte das nächste Thema werden. Eine Abhandlung über die mystische Geschichte des Gruselns. Filme, Bücher, Serien, Einflüsse, Geschichten … und so weiter.

Beinahe jeder war dafür gewesen. Maximilian hatte gezögert, aber schlussendlich eingewilligt.

Sie hatten sich abgesprochen, den Termin für das nächste Treffen angesetzt und sich dann verabschiedet.

Die meisten waren nach Osten gegangen, Maximilian nach Westen.

Zuerst war er von Lisa begleitete worden, der Herausgeberin. Sie hatten sich unterhalten und ein paar unspektakuläre Anekdoten ausgetauscht. Dann war Lisa abgebogen und Maximilian war alleine gewesen. Er hatte die Kopfhörer aus seiner Tasche geholt, sie eingesteckt und etwas Musik eingeschaltet: Nena – 99 Luftballons.

Dann hatte es angefangen zu knallen. Gerade als er den Wald erreicht hatte.

Maximilian versuchte am Wegesrand zu laufen, sodass er sich unter den Ästen und Blättern der Bäume schützen konnte. Es brachte etwas, aber nicht viel. Das Wasser benässte seine Haare. Strähnen hingen ihm feucht in die Stirn. Ein Tropfen sammelte sich an seiner Nasenspitze und segelte hinab. Es war kalt.

Maximilian verschränkte die Arme vor der Brust und ging weiter. Er versuchte sich auf die Musik zu fokussieren. Stellenweise sang er die Melodie mit, aber meistens blieb er ruhig. Hin und wieder sah er in die Gegend, taxierte den Wald, die Bäume, die Schatten.

Es war dunkel geworden. Düsternis strahlte aus dem Wald, wie ein großer, fettiger Haufen Elend, der seine Schritte überwachte. Maximilian war allein und doch fühlte er sich, als wäre er von unsichtbaren Gestalten umgeben, die sich an ihn schmiegten und ihm zuflüsterten:

»Wohin gehst du?«

»Kann ich mit?«

»Ich vermisse meinen Hund?«

»Ich will Kekse!«

Stimmen die an sein Ohr säuselten. Maximilian schüttelte den Kopf, schloss die Augen und ging weiter.

Eine Weile ging er geradeaus, bis er plötzlich Licht im Wald ausmachen konnte.

Es war nicht ganz klar. Ein konturloses Zucken in der Dämmerung.

Maximilian blieb stehen und musterte das Licht. Er fragte sich, woher es kam.

War das eine Lampe, ein Glühwürmchen oder etwas anders?

Nein, dachte er. Dieses Licht sah aus, als würde es von einer modernen Straßenlampe kommen – aber das war nicht möglich, oder? Neugierig verließ er den Weg und betrat den Wald. Das Licht strahlte zwischen den Bäumen hindurch. Er ging weiter und erreichte einen schmalen Pfad aus Erde, der geradeaus führte.

Das Licht wuchs, je näher er kam. Das Plätschern des Regens versank in den Hintergrund.

Nach mehreren Schritten erreichte er eine Lichtung. Maximilian blieb stehen und weitete die Augen. Vor ihm lag ein Freizeitpark. Wagen, Container. Ein großes Karussell, verdeckt von einer imposanten Wand, auf der das grienende Gesicht eines grünen Wesens zu ihm hinübersah.

Eine Geisterbahn. Lichter brannten. Die hohe Straßenlampe, die Maximilian gesehen hatte, stach ehrfürchtig in den Himmel. Es roch nach Zucker. Ein milchiger Schleier lag in der Luft. Die Stände waren geschlossen und verbarrikadiert. Niemand war zu sehen.

Auf einem Schild, das vor einem Zelt aufgebaut war, stand in roten Lettern: Madame Tamburins Freudenlagune.

Maximilian stutzte. Er las den Namen zweimal.

Seltsam, dachte er. Von einem Vergnügungspark hatte er nichts gehört. Nirgendwo war Werbung gemacht worden. Was machte ein Freizeitpark überhaupt in diesem Wald? Hier waren keine Kunden. Pausierten die Betreiber hier und fuhren morgen woanders hin?

Er wollte umdrehen und gehen, als in Madames Tamburins Zelt Licht anging.

Maximilian verharrte, dann näherte er sich dem Zelt.

Es war groß, Rot und besaß ein Vordach, das mit Stöcken im Boden gehalten wurde.

Vor den Planen blieb Maximilian stehen. Der Streifen des Lichtes strahlte in sein Gesicht.

Er konnte einen Geruch von Kräutern wahrnehmen und Weihrauch, der dem Zelt entstieg.

Vorsichtig öffnete er die Plane. Dahinter evozierte ein gemütlicher Raum.

Dicht eingerichtet. Es gab Schränke und Tische. Stühle und Kommoden. Die Luft war neblig und erfüllt von sanften Geräuschen und aromatischen Düften. Dutzende Gläser in den Regalen waren mit melierten Flüssigkeiten gefüllt. Eine Teekanne klapperte auf einem altmodischen Herd.

Von der Decke hingen Kerzen, die an Schnüren gehalten wurden. Sie bewegten sich leicht, im Rauschen des Windes, der in das Zelt blies.

Die Flammen flackerten.

In der Mitte stand ein Tisch, über dem eine weiße Tischdecke ausgebreitet war. Darauf befand sich eine Glaskugel, die auf einem hölzernen Podest deponiert war.

Maximilian blieb stehen und sah sich um.

Sein Blick streifte ausgestopfte Tiere, Bilder, die nicht aufgehängt waren, sondern an den Regalen lehnten. Eine Ritterrüstung stand in der Ecke.

Eine Stimme zerriss Maximilians Gedanken. Er fuhr zusammen. »Ich komme gleich«, kam es aus dem Seitenraum, der an das Zelt anschloss.

Und die Dame hielt Wort. Kein Augenblick verstrich, dann segelte sie aus dem Schatten und trat zu ihm. Sie war klein, rundlich und besaß ein breites Gesicht. Ihr Haar war zu einem Zopf gebunden. Ihre Haut weiß, die Lippen betörend rötlich. Auf der rechten Wange hatte sie ein schwarzes Muttermal.

Ihr Kleid war so rot, wie das Zelt und betonte den Umfang ihrer Brüste. Sie streckte die rechte Hand aus und fasste nach seiner. Ihre dürren Finger schlossen sich beharrlich.

»Du bist willkommen, Maximilian. Mein Name ist Madame Tamburin«, sagte die Frau. Ihre Stimme klang weich.

Maximilian lächelte. »Hallo«, begann er. »Woher kennen Sie meinen Namen? … E-euch gehört das hier wohl?«

Madame Tamburin ließ Maximilians Hand los und flanierte zu einem der Schränke. Sie nahm eine Tasse und befüllte sie mit einer bräunlichen Flüssigkeit aus einer Kanne.

Hastig ging Madame Tamburin zum Tisch und setzte sich, wobei sie Maximilian anwies, sich ihr gegenüberzusetzen. Maximilian folgte der Bitte und fragte weiter: »Wie kommt es, dass ich nichts von diesem Park gehört habe? Ich habe keine Plakate gesehen.«

Tamburin stellte die Tasse ab und verschränkte die Hände unter dem Kinn. Ihre Pupillen waren schwarz. Sie lächelte.

»Wir sind immer irgendwo«, antwortete sie. »Mal wissen die Leute von uns, mal nicht.« Sie zuckte die Schultern. Ihr Blick fokussierte die Kugel in der Mitte. Sie war durchsichtig und aus Glas.

»Ich war mir sicher, dass du erscheinen würdest«, sagte sie. »Nur nicht genau wann.«

»Ach echt?«, fragte Maximilian. Er war sich nicht sicher, wie er die Frau einschätzen sollte.

Sie machte den Eindruck einer professionellen Kartenleserin, die auf obskure Weise seinen Namen erfahren hatte.

»Jaa, natürlich«, sagte die Madame. Sie sah auf ihre Tasse. »Ich sollte mir Zucker holen«, meinte sie, blickte sich um, stand aber nicht auf. »Nun, was kann ich für dich tun?«

Maximilian reckte die Brauen. »Tun?«, fragte er. »Für mich?«

»Ja genau.«

»I-ich weiß nicht. Ich bin nur aus Zufall hier und h-«

»Unsinn!« Tamburin machte eine flotte Handbewegung. »Natürlich möchtest du etwas. Sonst hättest du mein Zelt nicht betreten.« Sie grinste. »Also … was ist es?«

Maximilian dachte nach. Dann sagte er: »Die Zukunft vielleicht?«

Tamburins Augen leuchteten. »Aaah … jetzt kommen wir der Sache näher.«

»Ich habe aber kein Geld u-«

»Pssst.« Tamburin schloss die Augen. »Unwichtig«, sagte sie und fokussierte die Kugel.

»Du willst also in die Zukunft sehen – deine Zukunft«, rief sie und zeigte auf ihn.

Maximilian zuckte die Achseln.

»Du fragst dich was dich in der Zukunft erwartet. Ob es gut ist oder schlecht, aber wer weiß das schon?« Sie schürzte die Lippen und zog die Arme hoch. »Würdest du es gerne herausfinden?«, fragte sie und eine verheißungsvolle Schwingung lag in ihrer Stimme.

Er nickte lakonisch.

»Gut!« Madame Tamburin schlug mit einer Hand so vehement auf den Tisch, dass die Glaskugel in ihrer Halterung erzitterte. »Siehst du den Schrank da.«

Sie zeigte nach Norden, auf den Schrank mit den zwei Holztüren, die geschlossen waren und auf dem sich Reliefs und eingearbeitete Schnitzereien befanden.

Maximilian nickte. »Geh hin und stell dich vor ihn.«

Maximilian gehorchte. Er wusste zwar nicht warum, aber tat es trotzdem. Vor dem Schrank blieb er stehen und drehte sich zu Tamburin.
Sie saß in ihrem Stuhl. Die rechte Hand an der Tasse.

»Wenn du wissen möchtest, was dich in der Zukunft erwartet, musst du in diesen Schrank gehen. Auf der anderen Seite wirst du fündig, aber sei vorsichtig.« Tamburin hob den linken Zeigefinger. »Niemand darf dich sehen. Niemand. Wirst du entdeckt, kommst du nicht mehr zurück und du beginnst zu faulen.«

Faulen, dachte Maximilian. Dieses Wort klang böse.

»Wenn du fertig bist, kommst du durch den Schrank zurück. Es ist ganz einfach.« Jetzt lächelte sie wieder.

Maximilian war unsicher. »I-ich weiß nicht.«

»Na los«, rief Tamburin. »Geh hinein, finde dein Glück und sieh was dich erwartet.«

Maximilian drehte sich zum Schrank. Eine Attrappe, dachte er. Es konnte nichts anderes sein.

Er öffnete eine der Türen und sah hinein. Im Inneren befand sich nichts außer Holz. Staub lag auf der vordersten Fläche.

Er warf Tamburin einen skeptischen Blick zu. Sie sagte nichts, sondern machte ihm deutlich, dass er hineingehen sollte.

Maximilian betrachtete den Schrank, seufzte und stieg hinein.

»Türen schließen!«, wies ihn Tamburin an, als er mit gefalteten Knien im Inneren saß.

Maximilian schloss die Türen und Dunkelheit legte sich über ihn.

Die Geräusche verstummten.

Eine Minute blieb Maximilian sitzen und wartete. Als nichts geschah, beschloss er den Schrank zu verlassen. Er stieß die Türen auf, in der Erwartung das Zelt zu sehen und erstarrte, als das Zelt nicht da war.

Nichts davon. Nicht der Tisch, die Kerzen, nicht Madame Tamburin.

Anstelle des Zeltes war er in einem Raum, mit Steinwänden und Holzboden. Rechts befand sich ein Fenster. Licht leuchtete von der Decke. Gegenüber befand sich eine Tür.

Huch, dachte Maximilian und stieg aus dem Schrank. Seine Füße zitterten, als er auf den stabilen Boden traf. Was war geschehen? Wo war das Zelt hin?
Vielleicht hatte Tamburin mit ein paar Helfern den Schrank bewegt?
Aber in einer Minute?
Stimmen ließen Maximilian zusammenfahren. Er stieg zurück in den Schrank und schloss die Türen, beließ aber einen Spalt, durch den er gucken konnte.
Die Stimme war männlich, das konnte er verstehen. Was sie sagte blieb nebulös.

Die Person steuerte an der geschlossenen Tür vorbei und der Klang der Worte verhallte.

Maximilian segelte aus dem Schrank.

Er trat auf die Tür zu und legte die rechte Hand auf die Klinke.

Er erinnerte sich, was Madame Tamburin gesagt hatte: »Niemand darf dich sehen. Niemand. Wirst du entdeckt, kommst du nicht mehr zurück und du beginnst zu faulen.«
FAULEN!, dachte er. Es lag so viel Abneigung in diesem Wort.

Er drückte die Klinke hinunter und öffnete die Tür.

Er war vorsichtig und ging nicht gleich hinaus. Vor ihm lag ein Gang, der nach rechts und links führte. An der Wand hingen Bilder. Fotos und Gemälde. Eine große Blume steckte in einer Vase.

Niemand war zu sehen. Das leise Nuscheln einer Stimme kam von links – aus der Richtung, in die der Fremde gegangen war.

Maximilian löste sich von der Tür und trat auf den Gang. Er ging behutsam, setzte einen Schritt nach dem anderen. Irgendwo in der Ferne hörte er das Gerede eines Fernsehsprechers.

Er näherte sich der nuschelnden Stimme.

Jetzt wurde sie klarer.

Links evozierte ein Zimmer. Maximilian blieb stehen und sah hinein. Er blieb dicht an den Türrahmen gepresst. Dort sah er einen Mann, der sein Hemd in die Hose gesteckt hatte.

Er saß auf Knien vor einem Kinderbett, in dem ein junges Mädchen lag und schläfrig aufsah.

Funkelnde Sternmuster hingen von der Decke und leuchteten.

Der Mann beugte sich zu dem Mädchen und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

Er lächelte und zog dann weiter zum nächsten Bett, in dem ein Junge lag und müde wartete.

Insgesamt gab es drei dieser Betten, aber das dritte war leer.

Maximilian erschrak, als er das Gesicht des Manns erkannte.

Dieser Mann, etwa in den 30ern oder älter, war er selbst. In einem schönen Haus, mit einer Frau und zwei Kindern.

Das war seine Zukunft.

Es ist meine Zukunft, dachte Maximilian und ihm wurde warm ums Herz.

»Gute Nacht, ihr beiden«, sagte der ältere Maximilian und stand auf. Seine Stimme war tiefer.

Schritte auf dem Gang ließen Maximilian aufhorchen. Er fuhr herum und blickte hinter sich.

Dort war niemand, aber das würde nicht so bleiben. Leise schritt er zurück zu der Tür, von der er gekommen war. Maximilian griff nach der Türklinge und drückte sie hinunter. Er öffnete die Tür und trat ein, als …

»Wer bist du denn?«

Maximilian verharrte und drehte sich langsam um.

Hinter ihm stand ein junges Mädchen mit braunen Haaren. Sie war in ihr Nachthemd gehüllt und hielt ein Plüschtier in den Armen. Ihre großen Augen musterten Maximilian neugierig.

Maximilian betrachtete sie einen Moment. Hinter dem Mädchen führte eine Tür in das Fernsehzimmer. Der Fernseher lief noch.

Nein, hauchte er und erbleichte. Nein.

Seine Miene entgleiste. Panik trat in sein Gesicht.

Das dritte Bett. Es ist leer gewesen.

Meine Tochter.

Ein Ziehen im Finger seiner rechten Hand changierte seine Aufmerksamkeit. Er hob den Arm und betrachtete seine Hand.

»… und du beginnst zu faulen.«

Faulen.

FAULEN!

Die Spitze seines Mittelfingers färbte sich grün, dann blau, dann schwarz.

Die Farbe breitete sich über seinen Handrücken aus und glitt seinen Arm hinauf. Sie befleckte seinen Ärmel und den Überzug seiner Jacke. An seiner Schulter endete die schwarze Schicht. Maximilian hielt den Atem an. Das Mädchen rührte sich nicht. Dann begann Maximilian zu schreien. Er riss den Kopf in den Nacken, als eine brodelnde Schmerzsalve sein Bewusstsein durchfuhr und ihm Tränen in die Augen trieb. Sein Arm riss aus der Schulter und prallte auf den Boden, wo er in Einzelteile zerbrach, die sich verteilten.

Weitere Schritte auf dem Gang. Eine ältere Frau, mit braunen Haaren, sah entsetzt zu Maximilian. Auch sie war im Schlafanzug.

»Wer sind Sie?«, fragte sie.

»Nein!«, schrie Maximilian. Er wankte durch die Tür und drückte sie zu.

Stimmen.

Die Frau rief etwas Unverständliches. Der alte Maximilian war da. Er versuchte seine Frau zu beruhigen. Dann begann das Schlagen gegen die Tür. »Hey, mach die Tür auf!«

Maximilian lehnte von der anderen Seite gegen die Tür. Die Beine gestreckt, den Rücken gegen das Holz gepresst. Er weinte. Der Schweiß floss ihm von der Stirn.

Sein linker Arm lief schwarz an und brach herunter. Er platschte auf den Boden und barst in Dutzende Teile.

Keuchend sah Maximilian zur anderen Seite. Wo der Schrank stehen musste.

Aber der Schrank war verschwunden.

»… Wirst du entdeckt, kommst du nicht mehr zurück …«

Maximilian war allein. Er hatte keine Arme mehr, sondern schwarze Löcher, die seine Schultern formten. Der Schmerz verlagerte sich zu seinen Beinen. Dunkler Nebel stieg von seinen Füßen, als sie sich auflösten.

 

Auf der anderen Seite saß Madame Tamburin in ihrem Stuhl und nahm einen Schluck Kaffee. Sie hatte sich ihren Zucker geholt und fand, dass er damit sehr viel besser schmeckte.

Gerade als sie die Tasse ein weiteres Mal ansetzte, durchfuhr sie ein Zucken, als wäre ein Lichtblitz in ihrem Verstand explodiert. Sie schloss die Augen und schüttelte sich.

»Ah … nicht gut«, maulte sie. Dabei empfand sie kein Mitleid.

Sie stand auf und trat an den Schrank, der unbewegt in ihrem Zelt stand. Die Türen waren geschlossen. Mit der rechten Hand fuhr sie über die eingravierten Reliefs und Ornamente.

Sie kicherte. »Bald schon, bist auch du auf dem Holz verewigt.«

Sie war glücklich.

 

[Gesamt:5    Durchschnitt: 4.2/5]

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