DER TRAUMMANN – DORIAN BECKER

Schreibwettbewerb für Horror-Autoren

Andreas Traummann

Sanft berührten Rolands Lippen Andreas Stirn. Ein Lächeln zauberte sich auf ihre Lippen. Er umarmte sie zum Abschied, fuhr ihr sanft über den Rücken. In seinen starken Armen fühlte sie sich so geborgen. Dieser Mann konnte so zärtlich sein.

Schließlich trennten sich die Beiden und Roland stieg die Treppe hinunter. Unten angekommen, drehte er sich noch einmal zu ihr um. Mit seiner flachen Hand tippte er zweimal sein Herz an, lächelte sein bezauberndes Lächeln und ging.

Es war doch nur eine kleine Geste, doch für Andres bedeutete sie dennoch so viel. Sie erinnerte sich an seine sanften Berührungen. Roland war das komplette Gegenteil von ihrem Ex. Er hörte ihr zu, war so liebevoll.

Jedes Mal, wenn sie ihn sah, hüpfte ihr Herz vor Freude. Sie wagte noch nicht, ihn zu fragen, doch hoffte sie, er möge bald bei ihr einziehen.

Er meldete sich zwar jeden Tag, doch das war einfach nicht das gleiche. Sie liebte es, ihm gegenüber zu sitzen, sich mit ihm zu unterhalten und ihn zu berühren.

Oh ja, seine Berührungen!

Seine zärtlichen Umarmungen.

Seine Küsse, die er ihr auf die Haut hauchte.

Andrea schloss die Augen und ließ das Wochenende Revue passieren. Sie hatten eigentlich nicht viel unternommen: ein paar Spaziergänge, Cafés besucht und, nun ja, sich ein bisschen näher kennengelernt. Und doch war es die schönste Zeit in ihrem Leben.

Andrea spürte noch immer seine Küsse auf ihrer Haut. Oh, er war so sanft und rücksichtsvoll gewesen.

Bilder seines perfekten Körpers schossen ihr durch den Kopf. Roland war ein begeisterter Sportler. Und das war ihm auch anzusehen: kein Gramm Fett zu viel, ein durchtrainierter Körper. Wenn sie ihn sich ansah, lief ihr das Wasser im Mund zusammen.

Andrea war sehr konservativ. Eigentlich hatte sie noch länger warten wollen, bis sie sich ihm hingab. Doch als sie ihn im T-Shirt gesehen hatte, hatte ihre Libido übernommen. Und sie hatte es keine Sekunde bereut. Er war so zärtlich…

Sie hatte sich Hals über Kopf in diesen Mann verliebt. Alles an ihm war wunderbar. Selbst seine kleine Jugendsünde: dieses kleine Totenkopf-Tattoo an der Innenseite seines rechten Handgelenks. Eigentlich stand sie nicht auf Tätowierungen, aber bei ihm wirkte es irgendwie sexy.

Nun, möglicherweise sah sie noch alles durch die rosarote Brille der Verliebtheit, doch das war ihr egal. Sie wünschte sich, dass sie dieses Gefühl nie verlassen möge.

Ihr Lächeln hatte sich auf ihrem Gesicht festgebrannt. Sie konnte einfach nicht aufhören. Ihre Kollegen mussten glauben, sie sei auf Drogen. Oder bekloppt. Doch das war ihr egal. Sie war glücklich.

Sie konnte das kommende Wochenende kaum erwarten.

 

Marie-Luises Traummann

 

Manchmal hatte Marie-Luise einfach die Nase voll von ihrem weinerlichen Freund Paul Wegner. Okay, der war sehr nett und unterstützte sie, nur… manchmal wünschte sie sich einen richtigen Mann. So einen ganzen Kerl. So einen wie in den Liebesromanen. Oder diesen coolen Actionstreifen.

An diesem Abend hatte Paul sie versetzt.

Gut, das war nicht ganz der richtige Ausdruck.

Er hatte einen Geschäftstermin, den er unbedingt einhalten musste. Viel zu oft hatte sie selbst kurzfristig noch eine Besprechung oder eine Sitzung reingedrückt bekommen, sodass sie nicht zu ihren Dates konnte. Doch das war etwas anderes. Schließlich war sie ein Hauptgewinn.

Paul hingegen…

Ja, er sah gut aus.

Ja, er war ein lieber Schatz.

Aber irgendetwas fehlte…

Sie träumte von wildem Sex. Sex, der ihr Leben durcheinanderwirbelte. Wie in den Filmen, in denen anschließend die Wohnung renoviert werden muss.

Der Sex mit Paul…

Nun, wenn sie anschließend das Bett frisch machen musste, war es schon relativ wild. Der Junge war eine Schlaftablette. Ein wunderbarer Mann, aber sie wollte doch auch ein wenig Abenteuer in ihrem Leben. Nur ein bisschen Aufregung. War das wirklich zu viel verlangt?

Den Abend ohne ihr Anhängsel wollte sie sinnvoll verbringen. Mit anderen Worten, sie hatte sich mit ihren Freundinnen in ihrer Lieblingsbar verabredet. Sie war die erste. Direkt nach der Arbeit hatte sie ihr Weg hierhergeführt. Sie trug noch ihr Business-Kostüm. Ihre braunen, kinnlangen Haare waren perfekt frisiert. Wie immer, sie achtete auf ihr Aussehen. Nur weil sie eine intelligente, ehrgeizige Frau war, bedeutete dies doch nicht, dass sie wie ein Troll aussehen musste.

Nach einer solchen Woche brauchte sie ein paar Drinks. Sie konnte nicht mehr warten, folglich bestellte sie sich gleich eine Weinschorle. Bis ihre Freundinnen auftauchten, konnte es noch eine Weile dauern.  Die Zeit konnte sie sinnvoll nutzen.

Biep. Biep.

Sie hatte ihre Schorle halb geleert, da erschien die erste Nachricht.

„Sorry Mädels. Ich schaffe es nicht. Selina.“

Kurz darauf erneut: biep, biep.

„Ja, ich bin auch noch im Büro. Überstunden. L“

Was? Konnte das denen nicht früher einfallen? Marie-Luises Kiefer mahlten, ihre Zähne knirschten. Ihre Finger klammerten sich fest um ihr Glas.

„Hi, sieht so aus, als könntest du einen Drink gebrauchen. Zwei Tequila.“

Hatte da der Typ neben ihr gerade für sie einen Drink mitbestellt? Genervt wandte sie sich ihm zu… und sah diesen Typ: groß, cooles Auftreten. Selbst unter seiner adretten Kleidung war sein muskulöser Körper zu erkennen. Oh Mann, das war genau das, was sie brauchte. Ein kleiner Flirt konnte doch nicht schaden.

„Bin gerade versetzt worden.“

„Welcher Idiot macht denn so etwas?“

Seine dunklen Augen blickten ihr direkt in die Seele. Ihre Handflächen wurden feucht, in ihrem Hals bildete sich ein Kloß. Und ganz ehrlich: ihre Handflächen waren nicht die einzige feuchte Stelle.

Sie schluckte.

„Konzentrier dich!“ flüsterte sie sich ein.

„Ähm, ja, nun, es waren meine Freundinnen.“

Oh je, sie war doch sonst so schlagfertig. Doch in diesem Moment schien es, als sei ihr Intellekt verschwunden.

Inzwischen standen die beiden Shot-Gläser vor ihnen.

Der Typ nahm seines in die Hand und prostete ihr zu. „Dann müssen wir einen trinken. Es ist eine Schande; von seinen Freunden im Stich gelassen zu werden, ist das Schlimmste.“

Da hatte er wohl recht.

Sie nahm ihr Glas und sie leerten die Shots in einem Zug.

Verdammt, das Zeug brannte vielleicht ihren Hals entlang!

Marie-Luise hustete.

Das Grinsen des Typen war frech. Gemein. Und unverschämt sexy.

„Ist stark, ne?“

Marie-Luise grinste tapfer. Sie wollte sich nichts anmerken lassen. „Schon gut. Habe ich gebraucht…“

„So schlimm?“

Auf einmal klang er anders. Als interessiere es ihn wirklich, wie es ihr ging.

Als Antwort gab sie nur ein unbestimmbares Brummen von sich. Sie wollte auf keinen Fall wie ein verwöhntes Mädchen wirken. Sie brauchte keinen Beschützer, keinen Frauenversteher. So etwas hatte sie schon zuhause.

„Nichts, was ein Tequila nicht kurieren könnte…“

„Na, dann!“

Der Typ hob zwei Finger. Zwei neue kamen.

Verdammt, sie hasste das Zeugs. Ramazotti oder ein Baileys wären ihr lieber, wesentlich lieber. Doch ihre große Klappe hatte ihr diese Suppe eingebrockt, nun musste sie diese auch auslöffeln. Sie durfte sich keine Blöße geben, nahm daher das Glas. Wieder leerten sie ihre Drinks simultan, als hätten sie das einstudiert.

Sobald sie die Gläser abgesetzt hatten, nahm er ihre Hand und führte sie zu einer freien Fläche.

„Los, wir tanzen!“

Das klang eher wie ein Befehl, nicht wie eine Einladung.

„Aber das ist nur eine Bar…“

„Na und? Wen stört das? Und es ist ja nicht so, dass du auf jemanden wartest.“

Marie-Luise wusste nicht, wie sie reagieren sollte. Sie war eine taffe Frau, sie fällte die Entscheidungen. Aber war das nicht genau das, was sie bei Paul so sehr vermisste? Ein richtiger Kerl. Einer, der Entscheidungen fällte, der einmal die Führung übernahm.

Sie gab nach, tanzte mit ihm. Ihr Körper entspannte sich. Sie wagte es, sich an ihn zu lehnen. Wow! Sie spürte seinen Körper, seine Muskeln. Sein männlicher Duft stieg ihr in die Nase. Etwas in ihrem Unterleib begann zu pulsieren. Sie konnte sich kaum konzentrieren. Bilder, wie er über sie herfiel, schossen ihr durch den Kopf. Die Dinge, die er mit ihr anstellte…

Sie wusste, sie sollte sich hierfür schämen. Paul war ein netter Kerl. Er hatte das nicht verdient.

Doch konnte sie nichts dagegen tun. Sie wollte ein Abenteuer erleben.

Ihr Magen zog sich leicht zusammen. Bisher hatten sie nur getanzt. Noch war nichts geschehen. Noch war es harmlos. Was in ihrem Kopf geschah, verletzte Paul nicht.

Ihr Herz schlug schneller. Sie atmete tief ein.

„Heute Abend ist bei mir niemand zuhause“, hauchte sie ihm ins Ohr.

Auf seinem Gesicht erschien ein breites Grinsen.

„Soll das heißen, dass da sonst jemand zuhause ist?“

Verdammt, sie konnte diesen Mann einfach nicht einschätzen.

„Geschockt?“

Leise lachte er auf. „Nein, erfreut.“

„Wieso?“

„Nun, ich bin auf der Suche nach einem kleinen Abenteuer. Jemand, die mit mir etwas erleben möchte. Nicht nur dieser Blümchensex.“

Oh Mann, das war ja genau das, was sie fühlte.

Sie streckte sich ein wenig und hauchte ihm ins Ohr: „Auf was warten wir noch?“

Er nahm ihre Hand. „Darauf.“

Er führte sie nach draußen. Zum Parkplatz. Sie standen direkt vor ihrem Auto. So ein Zufall!

„Ähm, ich glaube, ich sollte nicht mehr fahren.“

Er streckte seine Hand aus. „Schlüssel“, forderte er. Nach dem Klang seiner Stimme duldete er keine Widerrede.

„Ich weiß nicht…“

Es war ihr Auto. Sie kannte ihn nicht. Sie wusste nicht, wie viel er getrunken hatte. Wie er fuhr…

Er sah sie nur durchdringend an. Beinahe wirkte es, als wolle er sagen: „Ist das dein Ernst?“

Seine dunklen Augen schienen wieder ihre Seele zu erforschen.

Marie-Luise schluckte einen Kloß herunter. Sie reichte ihm den Schlüssel.

Erinnerungen an ihren strengen Vater kamen ihr in den Sinn. Immer, wenn sie ihn enttäuschte hatte, hatte er sie mit dem selben Blick angesehen.

Sie setzte sich auf den Beifahrersitz. Irgendwie fühlte sich das falsch an.

Der Typ startete den Motor und fuhr los. Er fuhr zügig, aber nicht wie ein Prolet, der eine Frau zu beeindrucken versuchte. Das Selbstvertrauen dieses Mannes musste unerschütterlich sein. In Marie-Luises Unterleib geschah wieder etwas. Oh Mann, wie sehr sie einen richtigen Mann brauchte…

Endlich kamen sie an ihrer Wohnung an.

Plötzlich blitze ein kleiner Gedanke in ihrem Kopf auf. Hatte sie ihm etwa gesagt, wo sie wohnte?

Doch der Mann war bereits ausgestiegen, um das Auto herumgegangen und hielt ihr die Tür auf.

Langsam stieg sie aus.

Sollte sie es wirklich wagen? War das wirklich eine gute Idee?

Der Traummann beugte sich zu ihr herab. Seine Hände hielten ihre Wangen. Seine Lippen berührten ihre.

Oh wow, der Kuss war wild.

Ihre Lust wischte alle Zweifel beiseite. Sie erwiderte seinen Kuss. Voller Gier, voller Hunger.

Leicht öffnete sie ihre Lippen.

Schon schoss seine Zunge hervor. Kleine Blitze schossen durch ihren Körper, als sich ihre Zungenspitzen berührten. Ein wilder Tanz begann.

Nach einer Weile trennte er sich von ihr.

Sie schnappte nach Atem.

Okay, so etwas hatte sie noch nie erlebt.

Als sei nichts gewesen, nahm er ihre Hand und führte sie zum Haus. Er schloss auf und bat sie herein.

Ähm, wieso bat er sie herein? Es war doch ihre Wohnung!

Doch inzwischen spielte bei ihr die Logik nur noch eine untergeordnete Rolle. Ihre Bedürfnisse hatten die Regie übernommen. Sie folgte ihm.

Ihre Hände feucht, ihre Nerven flatterten. Oh Mann, das war ja schlimmer als bei ihrem ersten Mal. Was sollte dieser Traummann nur von ihr denken?

Sobald sie in die Wohnung eingetreten waren, schloss er die Tür hinter ihnen. Sie wollte ihn noch fragen, ob er etwas trinken wollte, doch er presste sie bereits an die Wand. Wild küsste er sie. Marie-Luise erholte sich von ihrer Überraschung, erwiderte seine Küsse.

Seine Hände fuhren über ihren Körper, massierten ihren Busen.

Sie keuchte, war Pudding in seinen Händen.

Seine Hände packten ihre Bluse. Mit einem kräftigen Ruck zog er daran.

Ratsch!

Die Knöpfe flogen in alle Richtungen.

Scheiße! Das Ding war teuer!

Doch dieser Hengst hatte bereits ihren BH geöffnet. Ihre Nippel stachen hervor. Er stülpte seinen Mund über die Knospen.

Wieder keuchte sie. Oh Mann, sie war so rallig!

Seine Hände hatten ihre Hose gefunden. Schon hatte er sie aufgeknöpft. Seine Hand wanderte unter ihren Slip.

Was seine Finger da anstellten!

Er war wild. Rücksichtslos! Einfach großartig!

Auf einmal ließ er von ihr ab. Marie-Luise seufzte enttäuscht. Das konnte er doch nicht tun!

Er hob sie hoch, setzte sie auf eine Kommode. Ihre Schuhe wurden ihr ausgezogen. Er zog an ihrer Hose. Und zack war sie das los. Nun verbarg nur ein kleiner Hauch Stoff ihre Blöße.

Er ergriff ihren Slip. Ein kräftiger Ruck… Und Ratsch! Ihr Slip war nur noch ein nutzloser Stofffetzen.

Seine Finger drangen wieder in ihre Höhle ein.

Ihr Oberkörper wand sich im Rhythmus seines Streichelns.

Marie-Luise war verloren in ihrer Welt der Lust.

Doch plötzlich ließ er von ihr ab. Er lehnte sich an den Tisch und öffnete seinen Hosenschlitz.

Langsam kam sie auf ihn zu. Ihr Herz klopfte.

Er nahm ihren Kopf und führte ihn zu seinem Teil.

Das war riesig. Und bereits bretthart.

Die junge Frau öffnete ihren Mund. Kaum konnte sie das Teil in ihren Mund bringen. War der groß!

Mit beiden Händen hielt er ihren Kopf. Er rammte ihr seinen Prügel in den Schlund. Verdammt, sie bekam kaum Luft.

Doch ihm schien dies egal zu sein. Er nutzte sie zu seinem Vergnügen. Als sei nichts als seine Sexpuppe, nur ein Spielzeug.

Endlich ließ er von ihr ab.

Gierig saugte sie die Luft ein. Tränen liefen ihr über die Wangen. Ihr Mascara verlief. Wer sie in diesem Augenblick sah, wusste, was sie getan hatte.

Nie in ihrem Leben war sie so benutzt worden.

Und das Schlimmste…

Sie wollte mehr.

Der Typ half ihr auf. Seine starke Hand hielt sie am Nacken. So führte er sie ins Wohnzimmer. Er brachte sie zur Couch. Mit ihrem Oberkörper legte er sie über der Lehne. Ihr Hintern zeigte in seine Richtung. Ihre Liebeshöhle war ihm vollkommen ausgeliefert.

Plötzlich spürte sie seinen Schwanz an ihrem Eingang. Seine Hände packten sie am Becken. Und er rammte sein Teil tief in sie.

Marie-Luise keuchte auf, wimmerte. Sie war ihm vollkommen ausgeliefert. Und es fühlte sich himmlisch an.

Sie gab sich ganz ihren Trieben hin. Sie war in einem Rausch der Sinne. In ihrem Unterleib wuchs die Spannung. Oh, sie konnte es nicht mehr erwarten. Sie wimmerte, keuchte.

Immer schneller nahm er sie.

Bamm!

Etwas in ihr explodierte.

Marie-Luise schrie auf.

Ihre Glieder zuckten, Lichter explodierten vor ihren Augen.

Langsam kam sie wieder zurück zur Erde.

Der Typ stieß ein weiteres Mal in sie, versteifte sich.

Moment Mal…

Sie spürte sein Teil, das in ihr pulsierte.

„Warte! Nein!“

Doch zu spät.

Der Typ tätschelte ihre Schulter.

„Liebe Grüße von Paul“, raunte er ihr ins Ohr.

WAS?

Entgeistert starrte sie den Typen an.

Der zog seinen Hosenschlitz wieder zu und grinste sie an.

„Was hast du eben gesagt?“ Sie starrte ihn entgeistert an.

„Paul Wegner. Den kennst du doch, oder? Der wollte wissen, ob er dir vertrauen kann. Er wollte dich fragen, seine Frau zu werden. Aber aus einem mir nicht nachvollziehbaren Grund wollte er deine Treue testen.“

In Marie-Luise brodelte es.

„Ich werde ihm sagen, du lügst.“

„Dachte ich mir.“

Völlig unbeeindruckt ging der Typ in ihrer Wohnung umher, sammelte Dinge ein.

Ein Ring aus Eis zog ihr Herz zusammen. Das waren Kameras. Kameras! Wie waren die in ihre Wohnung gekommen?

Tränen liefen ihr die Wangen herab.

„Bitte, ich bezahle dich auch“, flehte sie.

Doch der Typ war so von sich überzeugt, er grinste sie nur an.

„Oh, und wenn du es nicht behältst, geht das Video online.“

„Was behalte?“

Das Grinsen des Typen war widerwärtig. Am liebsten hätte sie es ihm mit einem Faustschlag aus dem Gesicht gewischt. Doch wusste sie nicht, zu was der Mann fähig war. Körperlich war er ihr überlegen.

„War schön mit dir.“

Der Arsch klang fröhlich.

Er strich ihr übers Haupt. Da fiel ihr das Tattoo eines Totenkops an seinem Handgelenk auf. Dieses Bild brannte sich in ihrem Gedächtnis ein. Wie zufällig fuhr seine Hand über ihren Bauch.

Fröhlich pfeifend verließ dieser Arsch ihre Wohnung.

Marie-Luise wurde bleich. Sie konnte nur hoffen, dass sein Samen nicht auf fruchtbaren Boden fiel.

 

Pauls (Alb-)Traummann

 

Paul wachte auf. Er saß in einem Stuhl. Seine Arme an die Lehnen gebunden, seine Beine an die Füße. Sein Kopf war fixiert, in seinem Mund ein Knebel.

Vor ihm stand ein Fernseher.

Paul zerrte an seinen Fesseln. Keinen Millimeter konnte er sie bewegen. Was war hier los?

„Ah, schön, du bist wach.“

Er spürte zwei Hände, die seine Schultern massierten.

„Sieh genau auf den Bildschirm!“

Aus den Augenwinkeln sah er eine Hand, die eine Fernbedienung hielt. Er konnte einen Totenkopf auf der Innenseite des rechten Handgelenks erkennen, sonst nichts.

„Da ist etwas, das ich dir zeigen will. Ein Filmchen, das ich heute geschnitten habe.“

Moment! Das war Marie-Luises Wohnung.

Da fiel einer über sie her. Und sie schien jede Sekunde zu genießen. Tränen bildeten sich in seinen Augen. Er wollte das nicht sehen, wollte schreien, um sich schlagen. Doch konnte er sich nicht bewegen.

„Ist nicht schön, oder?“

Die Stimme klang beinahe mitfühlend.

Der Mann stand hinter ihm. Paul hatte keine Ahnung, wer das war, wie er hierher geraten war. Derr Mann musste ihn verschleppt haben. Dennoch wollte er ihn anflehen, ihn zu befreien.

„Keine Sorge, ich erlöse dich von diesem Elend.“

Paul entspannte sich ein wenig. Vermutlich wollte er ihm nur zeigen, dass Marie-Luise es nicht mit ihm ernst meinte. Wie denn auch? Sie war außerhalb seiner Liga. Das musste er nun einsehen Paul wartete darauf, befreit zu werden.

Ein kurzer Stich an seinem Hals.

Was war das?

Etwas Warmes, Klebriges lief über seine Haut.

Was war das?

Das…

Das…

…war sein Blut.

Ein metallisches Klirren erklang, als etwas auf den Boden fiel.

Paul wimmerte.

Das Leben floss aus ihm heraus.

Da war nichts, das er tun konnte…

Er hörte eine Tür, die sich öffnete.

War das Hilfe?

„Hallo Selina! Schön, dich zu sehen.“

Das war das Letzte, das er hörte.

Dann wurde es schwarz um ihn.

 

[Gesamt:2    Durchschnitt: 2/5]

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