RAPUNZEL – TOM & NICK BINDER

Schreibwettbewerb für Horror-Autoren

Rapunzel – ein Schauermärchen

 

Johann und Miriam hatten es wahrlich nicht leicht im Leben. Nur mit Mühe konnte der junge Mann dem kargen Boden die wenigen Früchte entlocken, mit denen sie sich gerade so über Wasser halten konnten. Das Leben konnte so ungerecht sein. Denn schon bei seiner Nachbarin Esme gedieh alles in Hülle und Fülle. Gut, im Dorf wurde gemunkelt, diese alte Vettel sei eine Hexe, doch Johann gab nichts auf diesen Tratsch. Manchmal waren es eben nur ein paar Meter, die über einen guten Boden entschieden.

Nun, da seine Miriam ihr erstes Kind erwartete, war Johann voller Sorgen. Er hoffte, dass er seinem Kind ein Leben ohne große Sorgen bieten könne. Doch war dies leider nur ein Traum. Wie sollte er das bewerkstelligen, wie sollte er das erforderliche Geld bekommen?

Auch seiner Frau hätte er liebend gern ein wundervolles Leben ermöglicht, doch mit seinen begrenzten Mitteln musste er sich damit begnügen, sie durch den Winter zu bringen.

Eines Abends starrte Miriam voller Verlangen auf den Feldsalat im Garten der Nachbarin.

„Was gäbe ich jetzt für ein bisschen Feldsalat“, seufzte sie. Es brach Johann das Herz, seine Frau so zu sehen.

Mit ihren großen rehbraunen Augen sah sie ihn an. „Meinst du nicht, dass wir uns ein wenig holen können. Nur ein klein wenig. Esme wird es bestimmt nicht vermissen. Und ich brauche es wirklich. Für unser Kind.“

Johann strich seiner großen Liebe sanft über den Rücken.

„Heute Nacht steige ich über den Zaun und besorge dir ein wenig. Nur ein wenig, sodass sie keinen Verdacht schöpft.“

Miriam strahlte ihn an, als habe er ihr das größte Geschenk überhaupt gemacht. Wieder spürte er diesen Stich in seinem Herzen. Was für andere selbstverständlich war, war für seine Liebe ein großes Geschenk, etwas Besonderes.

Johann wartete auf den Einbruch der Dunkelheit. Niemand war zu sehen. Immer wieder schielte er über die Schulter, ob er nicht doch beobachtet worden war. Nein, da war niemand.

Warum war er so nervös? Es ging doch nur um ein paar Pflänzchen Feldsalat. Das war doch nicht einmal ein richtiger Diebstahl, das war doch nur ein wenig gemopst.

Schnell schnitt er ein paar Pflanzen ab und steckte sie in seine Tasche. Und nun aber nichts wie nach Hause. Er schlug die Tür hinter sich zu und atmete erleichtert auf. Es war geschafft, niemand hatte ihn gesehen. Alles war gut.

Er ging zum Waschzuber, um den Salat zu putzen.

Die Haustür wurde aufgerissen. Wutentbrannt stürmte Esme in das kleine Häuschen direkt auf Johann zu.

„Wie konntest du es wagen, meinen Feldsalat zu stehlen?“ schrie sie ihn an.

„Ich habe nichts gestohlen“, verteidigte er sich, nicht sehr glaubhaft, denn er war gerade dabei, den Feldsalat zu reinigen.

Die Hand der Vettel schoss nach vorne, packte ihn an der Gurgel. Unglaublich, welche Kraft diese alte Frau aufbrachte. Johann konnte sich nicht wehren, rang verzweifelt nach Luft.

Miriam warf sich vor ihm auf den Boden und flehte ihre Nachbarin um Gnade an. „Verzeiht, es war meine Schuld. Ich erwarte ein Kind und hatte dieses unbändige Verlangen. Bitte seid gnädig! Es ist für unser Kind.“

Tränen flossen ihr über die Wangen. Die Angst war ihr ins Gesicht geschrieben.

Esme ließ Johann endlich los. Er fiel zu Boden. Gierig sog er die Luft wieder ein.

Abschätzend sah die Hexe seine Frau an. Er musste etwas tun, musste seine Frau beschützen.

„Herrin, verzeiht unseren Frevel. Natürlich werden wir den Schaden begleichen. Wir haben kein Geld, doch bin ich ein fähiger Mann, ich werde die Schuld mit Arbeit begleichen.“

Esme sah ihn an. Johann fühlte sich, als blicke sie direkt in seine Seele.

„Nun, es war schließlich für eure Tochter, dann wird auch eure Tochter den Schaden begleichen. Genießt den Rapunzelsalat! Ich werde mich zu gegebener Zeit wieder melden.“

Sie drehte sich um und verließ die beiden. Die Eheleute sahen sich nur an. Johann wusste nicht, ob er erleichtert sein sollte oder ob er richtig Angst haben sollte.

 

Johann stand hilflos neben seiner Frau, die vor Schmerzen schrie. Wo blieb denn nur die Hebamme? Mit einem feuchten Tuch betupfte er Miriams Stirn, in der Hoffnung, ihr ein wenig Linderung zu verschaffen.

Endlich ging die Tür auf. Doch keine Hebamme trat ein. Esme schritt bestimmt auf Miriam zu.

„Bring mir heißes Wasser und saubere Tücher und steh mir nicht im Weg herum!“ kommandierte sie.

Johann wollte diese unverschämte Person aus seiner kleinen Hütte werfen, doch war er froh, dass jemand da war, die wohl wusste, was sie tat. Er gehorchte und wartete vor der Hütte. Ungeduldig schritt er auf und ab. Er wollte für seine Frau da sein, doch Esme war die geeignetere Person.

Endlich ertönte der Schrei eines kleinen Kindes. Aufgeregt betrat Johann die Hütte. Esme hielt das in Tüchern gewickelte Kind auf dem Arm. Da war sein Nachwuchs, Tränen der Rührung zeigten sich in seinen Augenwinkeln.

„Eure Tochter wird die Bezahlung für den Rapunzelsalat sein, den ihr mir entwendet habt. Wir sind dann quitt.“

„Seid Ihr toll? Ihr werdet unsere Tochter nicht bekommen.“

Mit einem teuflischen Grinsen sah sie ihr Gegenüber abfällig an.

„Du kleiner Wicht! Bist du dir da sicher? Was sollte mich davon abhalten? Du etwa?“

Darauf konnte sie sich verlassen. Niemals würde er ihr das Kind überlassen, nicht sein eigen Fleisch und Blut. Miriam und er hatten sich schon so lange ein Kind gewünscht, nichts in der Welt konnte ihn dazu bewegen, darauf zu verzichten.

Johann baute sich vor der alten Frau auf, präsentierte seinen durch harte Arbeit gestählten Körper. Warum hatten die Menschen im Dorf nur solche Angst vor dieser Frau? Das war nur eine alte Vettel. Die Geschichten, die man sich über sie erzählte, waren doch nur Ammenmärchen, Geschichten, um kleine Kinder zu ängstigen. Und ein kleines Kind war Johann wahrlich nicht mehr. Mit einem eiskalten Blick starrte er seine Nachbarin an. Am liebsten hätte er sie gepackt und aus dem Haus geworfen, doch das brachte er doch nicht übers Herz.

„Ihr solltet jetzt besser gehen! Ich denke, wir werden uns handelseinig. Doch von meiner Tochter lasst Ihr Eure Finger.“

Johanns Stimme war nur ein bedrohliches Zischen. Die Frau sollte das Weite suchen, wenn sie wusste, was gut für sie war.

Doch sie neigte nur ihren Kopf und grinste.

„Du drohst mir doch nicht, oder?“

Sie klang beinahe fröhlich. Johann lief es eiskalt den Rücken herunter. Die Geschichten waren doch nur erfunden. Oder etwa nicht? War sie etwa wirklich eine Hexe? War sie gefährlich? Johann erinnerte sich an ihre Hand um seine Gurgel. Sein Körper spannte sich an, machte sich zum Kampf bereit…

 

Das blonde Mädchen saß am Fenster ihres Turmes. verträumt blickte sie in die Ferne. Da draußen musste eine völlig andere Welt sein. Aufregend, voller unbekannter Dinge, die es zu entdecken galt. Doch davon konnte sie nur träumen. Sie konnte ihren Turm nur in Begleitung ihrer Tante Esme verlassen. Zum Glück kümmerte sich Tante Esme liebevoll um das arme Mädchen, gab ihr eine Familie, nachdem ihre eigene Familie sie verraten und verlassen hatte.

Wie sehr träumte sie von Freunden, anderen Kindern, mit denen sie spielen konnte. Doch blieb ihr nichts als ihre Puppe Frieda.

Als Esme ihr das nächste Mal wieder die goldgelockten Haare schnitt, fragte sie direkt: „Tante Esme, warum kann ich den Turm nicht verlassen und andere Kinder treffen?“

Die alte Frau seufzte: „Mein liebes Kind, wie oft habe ich dir denn das schon erzählt? Weil da draußen im Wald die Bösen lauern. Sie wollen dir wehtun. Sie zerfetzen dich, fressen dich. Da draußen ist es einfach zu gefährlich.“

Die Kleine zitterte. Die Worte beunruhigten sie. Doch war sie auch von dem Gedanken an die Gefahr fasziniert.

„Und wer will mir wehtun?“

„Die bösen Männer lauern auf dich. Sie werden dich verschlingen, deine Unschuld zerfetzen.“

Hui, das klang ja schlimm.

„Und was sind Männer?“

„Widerliche Kreaturen.“

„Und woher komme ich?“

Ein weiteres Seufzen. „Deine Eltern wollten dich nicht. Sie haben dich zurückgelassen, als seist du nur ein Stückchen Dreck. Da ist niemand für dich da, außer mir. Willst du das wirklich aufgeben für deine Neugier?“

„Natürlich nicht.“

Doch ein kleiner Teil in ihr fragte sich, ob es da draußen wirklich so schlimm war, ob sie es nicht einfach einmal riskieren sollte. Auch wenn sie es nicht wagte, dies ihrer Tante zu erzählen.

Und so blieben die Träume über ihre Freiheit nur das: Träume.

Und die Jahre vergingen…

 

Prinz Georg liebte es, sich von den Gefolgsleuten seines Vaters zu entfernen, die echten Menschen zu treffen. Wenn er mit seiner Leibwache verreiste, wagte es niemand, sich ihm zu nähern. Und er liebte es doch, den Menschen nahe zu kommen. Insbesondere den schönen Mädchen.

Er hatte schon so manche naive Maid verführt. Vermutlich war schon so mancher Bankert gezeugt worden. Zum Glück hatte er sich immer rechtzeitig davonschleichen können. Sein Vater war ein anständiger Mensch. Er würde ihm die Hölle heißmachen, sollte er es herausfinden.

Während Prinz Georg durch den Wald schlenderte, erreichte er einen Turm. Am Fenster saß eine wunderschöne Blondine. Ihr langes, blondes Haar wehte leicht im Wind. Es wirkte wie eine Decke aus reinstem Gold. Georg war fasziniert.

„Holla, schöne Maid, was macht Ihr an einem solch herrlichen Tag in Eurem Turm? Wollt Ihr Euch mir nicht für einen schönen Spaziergang anschließen?“

Die Schönheit starrte ihn nur an.

War sie ein wenig schwachsinnig?

Oder schlimmer, fand sie ihn vielleicht nicht schön? Fühlte sie sich etwa sogar von ihm abgestoßen?

Nein, das konnte nicht sein.

Er war ein Prinz!

Er war groß, schlank, machte regelmäßig seine Übungen. Er war nicht nur ein Prinz, er sah auch aus wie der Prinz aus den Erzählungen. Sie musste sich einfach in ihn verlieben.

„Wer seid Ihr? Was tut Ihr hier im Wald?“

„Ich bin Prinz Georg. Und ich bin von Eurer Schönheit geblendet.“

Leichte Röte schlich sich in ihr Antlitz, verstärkte den Eindruck eines verschreckten Mäuschens. Die war vielleicht süß!

„Darf ich Euch bei diesem Wetter zu einem kleinen Spaziergang einladen?“

„Ich… ich darf diesen Turm nicht alleine verlassen.“

Sie klang traurig. Georg wunderte sich, was sie getan hatte, um eine solche Strafe zu verdienen. Sie wirkte so unschuldig, so rein. Er konnte sich nicht vorstellen, dass er sich in ihr so täuschte. Vermutlich war ihr Verbrechen eine Maid zu sein.

„Verzeiht, aber wenn ich meinen Kopf so halte, bekomme ich Schmerzen in meinem Nacken. Darf ich zu Euch heraufkommen?“

„Die Tür ist verschlossen. Da müsstet Ihr schon hochklettern.“

Georg sah sich den Turm genauer an. Das war keine uneinnehmbare Festung. Georg war ein geübter Kletterer. Das sollte möglich sein.

„Meine Schöne, erwartet mich jeden Augenblick.“

Selbst von dieser Entfernung konnte er ihren überraschten Gesichtsausdruck erkennen. Oh, diese Anstrengung würde sich auf jeden Fall lohnen.

In den Ritzen der Mauer fanden seine Finger Halt. Die raue Oberfläche kratzte an seiner Haut. Er durfte sich nichts anmerken lassen. Diese Maid wollte er unbedingt beeindrucken.

 Seine Muskeln brannten, zitterten, doch Georg kletterte weiter. Am Kopfe des Turmes wartete eine solch süße Belohnung, die war all diese Strapazen wert.

Endlich, endlich hatte er das Fenster erreicht. Sein Arm stützte sich auf dem Sims ab. Beinahe war es geschafft. Die holde Maid ergriff schon seinen Arm. Natürlich konnte sie ihn nicht in den Turm ziehen, dazu war sie viel zu schwach. (oder er zu schwer…) Doch alleine der Gedanke, dass sie ihm helfen wollte, dass sie nicht wollte, dass ihm etwas Übles widerfuhr, ließ ihn lächeln. Das Lächeln, das schon so manches Frauenherz gebrochen hatte. An diesem Abend plante er, dass ein weiteres zu seiner Sammlung kommen würde.

Mit letzter Kraft zog er sich in den Turm. Er keuchte und rang nach Atem.

„Was habt Ihr Euch nur dabei gedacht?“

Sie sah ihn streng an.

„Wart Ihr um mich besorgt, meine Holde?“

Mit beinahe übermenschlicher Anstrengung schaffte es Georg, gelassen zu klingen und sich seine Erschöpfung nicht anmerken zu lassen.

„Ihr hättet sterben können.“

„Hättet Ihr dann um getrauert.“

„Nein. Ja. Ich meine… es wäre schon schlimm gewesen, aber… ich kenne Euch nicht einmal.“

„Ich bin Prinz Georg.“

„Ich bin Rapunzel.“

Ein wenig war er enttäuscht, hatte er sich doch mehr Bewunderung erhofft.

„Rapunzel, wie schön!“

Wer nannte denn sein Kind nach Gemüse? Manche Eltern verdienten es nicht, Kinder zu bekommen. Doch wenn sie so schöne Töchter zur Welt brachten, war ihnen verziehen.

„Was tut Ihr hier? Hat Euch Tante Esme geschickt?“

„Esme? Oh ja, ich soll nach dir sehen.“

Er hatte bewusst zur informellen Ansprache gewechselt. Sein intensiver Blick ließ die Herzen der Damen dahinschmelzen. Da sollte er doch auch bei diesem Naivchen funktionieren.

„Wie lange lebst du hier schon in diesem Turm?“

„Mein ganzes Leben.“

Was? Das war ja unmenschlich.

„Aber du verlässt ihn schon ab und zu, oder?“

„Ja klar, wenn Tante Esme dabei ist, darf ich auch ein paar Schritte im Wald tun. Aber nie ohne sie. Sie beschützt mich. Vor wilden Tieren. Und den bösen Männern.“

„So, so, vor den bösen Männern.“ Sanft strich seine Hand über ihre Wange. Rapunzel schloss die Augen, seufzte voller Sehnsucht. Offensichtlich wurde sie nicht oft liebevoll berührt. Georg würde leichtes Spiel haben. „Das ist weise von ihr, dass sie dich vor den bösen Männern beschützt.“ Seine Finger berührten sie ganz sanft. „Zum Glück bin ich nicht böse.“

Als habe sie etwas gestochen wich Rapunzel zurück.

„Ihr seid ein Mann?“ fragte sie voller Entsetzen.

Was? Hatte sie etwa noch einen Mann gesehen?

Sie starrte ihn an. In ihrem Blick war Furcht. Nein, sie hatte tatsächlich noch nie einen Mann gesehen. Wie konnte das sein?

„Ich sagte doch, Esme schickte mich. Ich soll dir zeigen, dass ich nicht böse bin. Oder hat dir nicht gefallen, was ich getan habe.“

Georg hatte sich perfekt im Griff. Sie konnte ihm nicht ansehen, dass er ihre Ablehnung befürchtete. Langsam ging er auf die junge Frau zu, berührte sie wieder sanft. Rapunzel entspannte sich, lehnte sich seiner Hand entgegen. Sein Daumen strich wieder sanft über Rapunzels Wangen. Da war wieder dieses Seufzen. Dieser Blick voller Sehnsucht. Ja, sie war ihm verfallen. Georg war stolz auf sich. Er war der Beste.

Sie genoss seine Nähe. Es war an der Zeit, einen Schritt weiter zu gehen.

Der Prinz beugte sich vor und hauchte ihr einen sanften Kuss auf die Stirn. Ein Lächeln zauberte sich auf das Gesicht der jungen Maid.

Georgs Finger strich sanft über ihre Unterlippe. Ein Seufzen entrang der Schönheit. Oh, er wusste einfach, wie er zum Zuge kam.

Sie starrte ihn mit ihren wunderschönen, großen Augen. in diesen eisblauen Augen konnte ein Mann versinken. Ein schwächerer Mann hätte vielleicht mit ihr Mitleid gehabt, doch Georg hatte sie genau da, wo er sie haben wollte.

„Weißt du, dass es einen Grund gibt, warum Gott Mann und Frau geschaffen hat?“

Verlegen schüttelte sie den Kopf. „Tante Esme hat mir nicht viel vom Lieben Gott beigebracht.“

Was war da denn für eine seltsame Tante?

Die junge Frau sah ihn aufmerksam an.

„Er hat die Liebe erschaffen.“

„Die Liebe? Was ist das?“

Er hatte ihre Neugier geweckt. Sehr gut.

Wenn er ehrlich zu sich selbst war, wusste er auch nicht viel über die Liebe, über das Verschmelzen zweier Seelen. Für ihn war die körperliche Liebe wesentlich interessanter.

„Die Liebe ist das wunderbarste überhaupt. Sie gibt uns Kraft, das Unmögliche zu schaffen. Sie inspiriert uns zu den schönsten Gedichten und Liedern. Wenn zwei Seelen sich vereinen, ist das das größte Glück überhaupt.“

Er ging einen Schritt auf die unerfahrene Maid zu.

„Das Herz schlägt schneller. Tausend Schmetterlinge fliegen in deinem Bauch umher und du hast das Gefühl die könntest vor lauter Glück schweben.“

Inzwischen war er ganz nah bei ihr. Er nahm ihren süßen Duft wahr. Sie betörte ihn genauso. Er wollte sie haben. Sein kleiner Kamerad machte sich bemerkbar. Doch bei dieser Frau musste Georg behutsam vorgehen. Er durfte sie nicht erschrecken oder sein Vorhaben war zum Scheitern verurteilt.

„Spürst du, wie dein Herz schneller schlägt?“

Seine Hand legte sich sanft auf ihren Busen. Ganz sachte streichelte er diese Wölbung. Oh, wie gerne würde er sie sich ein wenig ansehen.

Rapunzel nickte. Sie war offensichtlich überwältigt.

„Und spürst du die Schmetterlinge in deinem Bauch?“

Georg beugte sich vor. Seine Lippen berührten die ihren, ganz sanft nur, doch geschah etwas mit dem Mädchen, das spürte er eindeutig. Sie schauderte, seufzte und gab sich ihm hin. Georg küsste sie erneut, länger fordernder. Sie erwiderte seinen Kuss, als wolle sie mehr, als sehnte sie sich nach ihm.

Er streichelte ihren Busen. Ihr entrang ein Seufzen. Ihre Lippen lösten sich. Georgs Küsse wanderten ihren Hals entlang. Wieder dieses sehnsuchtsvolle Seufzen.

„Ich kann dir große Freuden zeigen, wenn du dich auf mich einlässt“, versprach er.

„Ja“, hauchte sie.

Georg kniete vor ihr, küsste ihren Bauch. Seine Hände hielten ihren Po.

„Huch“, entfuhr es ihr. „Was macht Ihr da?“

„Ich will dir viele Freuden schenken. Du musst nur ein wenig über deinen Schatten springen. Wagst du das?“

Er sah ihr tief in die Augen. Dieser Blick hatte schon so oft funktioniert. Warum sollte er ihn dieses Mal im Stich lassen?

Rapunzel wirkte unentschlossen.

Vielleicht sollte er ihren Entschluss ein wenig nachhelfen.

Wieder küsste er ihren Bauch. Seine sanften Küsse wanderten langsam gen Süden. Seine Hände massierte sachte ihre Pobacken.

Wieder ertönte dieses süße Seufzen, das er schon zu lieben gelernt hatte. Er war auf dem richtigen Weg.

„Willst du es wagen?“

„Was soll ich tun?“

Georg sah sich um. In der Ecke stand sogar ein Bett. Vermutlich lebte dieses arme Ding hier in diesem Raum. Nun denn, er wollte dafür sorgen, dass sie sich gleich richtig lebendig fühlte.

Er nahm ihre Hand und führte sie zum Bett.

„Wir sollten uns in all unserer Schönheit ansehen.“

Sie sah ihn nur mit großen Augen an.

„Ziehen wir uns aus!“

Verdammt, er hätte nicht so schnell vorgehen sollen. Doch konnte er es kaum noch aushalten.

Doch bevor er noch ein weiteres Wort sagen konnte, zog sich Rapunzel bereits aus.

Georg stockte der Atem. Dieses Mädchen war die perfekte Schönheit. Ihre Hüften waren perfekt geschwungen, ihre Taille war schmal, ihre Brüste, wenn auch klein, waren perfekte, runde Äpfelchen.

Der junge Prinz starrte sie mit offenen Augen an. Wer versteckte solch Perfektion vor der Welt.

In seiner Hose regte sich etwas. Sein Schwert wollte befreit werden, wollte ein neues Zuhause finden. Doch musste sich sein kleiner Freund noch ein wenig gedulden.

Er legte sie auf das Bett, hob ihren rechten Fuß, küsste ihren Zeh. Überrascht keuchte sie auf, doch sie wehrte sie sich nicht.

Dieses Mädchen war sehr unerfahren. Wollte er sie ein weiteres Mal besitzen, musste er behutsam vorgehen. Und welcher Mann mit gesundem Menschenverstand wollte so einen Engel nicht besitzen?

Er ließ seine Küsse ihr Bein entlang wandern. Immer weiter hin zum großen Ziel. Ihr Schoß war direkt vor ihm, ihr weiblicher Duft strömte in seine Nase. Der Hammer in seiner Hose drohte den Stoff zu sprengen, doch musste er sich beherrschen. Er musste ihre eine großartige Zeit schenken. Nur so konnte er wieder bei ihr landen. Seine Zungenspitze erreichte den Eingang ihrer Höhle. Sie tauchte ein, labte sich an ihrem süßen Saft.

Oh, wie großartig das war. Er konnte nicht genug davon bekommen.

Seine Hände hielten ihren Po, ihr Becken streckte sich ihm entgegen.

Da war ihr großer Schatz. Ihre Liebesperle lag vor ihm. In all den Jahren auf Freiersfüßen hatte er den weiblichen Körper kennengelernt. Er wusste, was zu tun war.

Seine Zunge wagte sich vor, traf ihre Liebesknospe, streichelte sie sanft, umkreiste sie, liebkoste sie…

Rapunzel keuchte.

Georg wagte einen Blick. Ihr Rücken bog sich durch. Kehlige Laute entrangen der Schönheit. Ihre Finger krallten sich in sein Haar. Ihr flacher Bauch hob und senkte sich schnell.

Georg leckte ihre Knospe, saugte daran, ja knabberte sanft an ihr.

Rapunzels Rücken bog sich durch, versteifte sich. Die junge Frau keuchte und fiel zurück.

Der junge Prinz ließ von ihr ab. Er bewunderte dieses perfekte Bild. Mit einem breiten Lächeln lag sie auf dem Bett. Ihre langen goldenen Haare umgaben sie wie ein königlicher Umhang. Georg konnte sich nicht sattsehen.

„Das war wundervoll.“

Sie strahlte ihn an.

Georgs Herz machte einen Satz. Er hatte es geschafft.

Eine Wirtshausdirne würde dazu bringen, ihm diesen Gefallen zu erwidern. Doch das konnte er sich bei diesem Engel nicht vorstellen.

„Bist du bereit?“

„Wofür?“

Ach, diese schönen, großen, staunenden Augen. Er wünschte sich beinahe, er könne sich in sie verlieben. Doch das war einfach nicht seine Natur. Ihn zog es von Frau zu Frau.

„Das, meine Liebe, war erst der Anfang.“

„Es gibt noch mehr?“

Er streichelte ihre Stirn.

„Ja, aber ich muss dich leider warnen. Es ist wunderschön, doch wird es vielleicht zuerst ein wenig schmerzen.“

Rapunzel schluckte.

„Zeigt es mir!“

Innerlich atmete Georg auf. Er konnte nicht so schnell auf diese Schönheit verzichten. Doch durfte er es sich nicht anmerken lassen, wie sehr er sich danach sehnte, die Frau zu besitzen. Das war ein Fehler, den er in seiner Anfangszeit als Freier gemacht hatte.

Er zog sich vor ihr aus, präsentierte er sich ihr stolz. Und sein Körper erzielte den gewünschten Effekt. Ihr bewundernder Blick tat ihm gut.

Dann ließ er seine Hose herunter. Sein kleiner Freund war deutlich angewachsen, ragte stolz in die Höhe.

Er beugte sich vor, küsste sie sanft. Ihre Beine waren gespreizt, ihre Höhle lag offen vor ihm.

Er setzte seinen Liebesspeer an. Langsam schob er sich ein, bis er auf einen Widerstand stieß.

Ja, sie war noch unberührt. Er liebte es, der Erste zu sein.

Georg wartete ein wenig, bis sich Rapunzel an ihn gewöhnte hatte. Als er sich zurückzog, seufzte sie, als vermisse sie ihn.

Keine Angst, meine Kleine, ich komme wieder.

Mit einem kräftigen Ruck stieß er in die Höhle der jungen Frau. Sie verkrampfte sich, klammerte sich an ihn. Georg spürte, wie sich ihre Fingernägel in sein Fleisch krallten.

Er beugte sich vor, küsste sie sanft, beinahe liebevoll.

Dann ließ er seine Hüften kreisen.

Rapunzels Stöhnen klang nicht mehr schmerzhaft.

Die Wände ihrer Liebeshöhle hatten sich fest um seinen Liebesspeer geschlossen. Sie raubte ihm den Verstand. Lange konnte er das nicht aushalten. Seine Bewegungen wurden schneller. In seinen Lenden baute sich ein Druck auf.

Konzentrier dich! Schenke ihr Freude und du wirst sie wieder besitzen!

Wieder und wieder ging dieses Mantra durch seinen Kopf.

Doch der Druck in seinen Lenden wurde stärker. Die Gier in ihm wuchs. Lange konnte er sich nicht mehr beherrschen.

Er nahm sie wie ein Hengst seine Stute. Es gab nur noch ein Ziel auf dieser Welt. Er musste seine Lust befriedigen. Sie diente ihm alleine dafür.

Immer schneller rammte er ihr seinen Knüppel in die Höhle. Er grunzte wie ein Tier.

Rapunzels Körper versteifte sich. Sie keuchte auf.

Ja, er hatte es geschafft.

Und nicht zu früh.

Georg konnte den Druck nicht mehr aushalten. Die Schleusen wurden geöffnet, er schleuderte seinen Samen in ihren Schoß.

Erschöpft ließ er sich neben sie fallen.

Sie kuschelte sich an ihn. Normalerweise konnte er das ausstehen, doch bei diesem Engel tolerierte er es.

Irgendwann, er konnte nicht sagen, wie viel Zeit vergangen war, stand er auf.

Er räusperte sich. „Also, das müssen wir Tante Esme nicht unbedingt verraten.“

Rapunzel kicherte. „Keine Sorge, ich kann schweigen.“

Prinz Georg zog sich an, ging zum Fenster und drehte sich zu ihr um. „Keine Sorge, ich komme wieder.“

Sie lächelte ihn an. „Ich warte auf dich.“

Oh ja, er würde wieder kommen.

 

Rapunzel sah dem Mann hinterher. Das war also ein Mann. Sie konnte nicht verstehen, warum Tante Esme sie immer vor Männern gewarnt hatte. Es hatte sich so schön angefühlt. Gut, vielleicht hatte er ja die Wahrheit gesagt, und Esme hatte ihn gesandt. Doch tief in ihrem Herzen glaubte sie nicht daran.

Sie entdeckte, dass ein wenig Blut aus ihrer Höhle floss. Und so seltsames, weißes Zeug…

Sie musste sich unbedingt waschen, bevor Esme ihr ihren Besuch abstattete. An diesem Abend war es wieder soweit. Oh wie sehr diese Abende hasste.

Rapunzel wusch sich, zog sich rasch an. Schon hörte sie, den Schlüssel im Schloss. Die Tür ging auf und die alte Frau trat ein. Ihre Tante wirkte genervt.

„Liebe Tante, was bedrückt Euch denn?“

„Nichts!“ Diese knappe, barsche Antwort ließ ihre Worte Lügen strafen. Doch wusste Rapunzel, dass sie lieber schweigen sollte.

„Setz dich!“

Widerspruchslos gehorchte sie ihr. Ihre schönen blonden Locken flossen über ihre Schultern. Sie seufzte.  Ihre Tante zog an ihren Haaren und schnitt sie nahe ihrem Haupte ab. Auch wenn die alte Frau sich nicht darum scherte, ob sie dem Mädchen Schmerzen zufügte, ließ sich Rapunzel nichts anmerken. Stoisch ließ sie alles über sich ergehen.

Esme sammelte die Haare ein, wie sie es schon so oft getan hatte. Rapunzel sah wehmütig dieser Haarpracht nach. Es dauerte immer wieder zwei Jahre, bis sie diese Länge erreichte. Und immer wieder, bei einem Neumond wurden ihre die Haare geschnitten, dass sie beinahe kahl war. Sie wusste nicht, was ihre Tante mit den Haaren vorhatte. Sie wusste nur, sie konnte es nicht verhindern.

Als Esme ihre Kammer verlassen hatte, lief Rapunzel eine Träne über das Gesicht.

 

Prinz Georg konnte es nicht erwarten, zu der holden Maid zurückzukommen. Ihre Silhouette war deutlich am Fenster zu erkennen.

„Rapunzel, mein Schatz, ich komme zu dir!“

Wieder erklomm er den Turm. Am Sims angekommen, pulsierte bereits sein kleiner Freund. Er konnte es nicht erwarten, wieder zum Einsatz zu kommen.

Er blickte auf und starrte in das hassverzehrte Gesicht einer alten Vettel, die eine Perücke mit blonden Haaren trug.

„Du hast mir das angetan!“ schrie sie ihn an. Sie riss sich die falschen Haare vom Kopf.

Was war hier los?

Georg sah sich um, sah Rapunzel, kahlgeschoren, an eine Wand gefesselt.

„Gute Frau…“

Weiter kam er nicht. die alte Frau schrie auf, in ihrer Hand hatte sie einen langen, dornigen Zweig eines Brombeerstrauchs. Wie ein Peitschenhieb traf ihn der Zweig. Die Dornen drangen in seine Augen ein.

Georg schrie vor Schmerz, wich zurück.

Wie eine Furie stürzte sie sich auf ihn. Ein Hieb traf ihn an der Brust. Die Wucht riss ihn von den Beinen.

Oh Gott!

Er wurde durch das Fenster geschleudert.

Rasend schnell kam der Boden näher.

Der Aufprall zerschmetterte einige Knochen. Georg ächzte. Das Atmen schmerzte. Die Alte war schon über ihm. Wie hatte sie ihm so schnell folgen können?

Sie hieb weiterhin auf ihn ein. Die Dornen trafen sein gesundes Auge. Es wurde dunkel.

Schmerzen. Oh diese Schmerzen.

Georg glaubte sterben zu müssen.

Reglos blieb er auf dem Boden liegen. Er spürte ihre Hand. Sie schleifte ihn weiter in den Wald und ließ ihn zum Verrecken liegen…

 

„Du Hure!“ hatte Esme sie angebrüllt. Sie hatte auf Rapunzel eingedroschen und sie schließlich an die Wand gekettet.

Dann hatte sie auf Prinz Georg gewartet.

Rapunzel hatte zuschauen müssen, wie ihre Tante ihren Liebsten misshandelt hatte. Sie hatte an ihren Fesseln gezogen, so fest sie konnte, doch musste sie zusehen, wie Georg aus dem Fenster stürzte.

Und sie selbst?

Würde Esme wiederkommen?

Oder ließ sie Rapunzel verhungern?

Oder war ihr Schicksal gar schlimmer?

Rapunzels Lage war hoffnungslos. Sie war verloren.

Plötzlich fiel ein Sonnenstrahl auf etwas Metall. Vielleicht…

Rapunzel streckte sich, ihr Zeh berührte das Metall.

Konzentrier dich! Du kriegst ihn.

Ein leichtes Kratzen.

Eine Gürtelschnalle. Es war eine Gürtelschnalle. Keine großartige Waffe. Aber vielleicht…

Rapunzel kratzte an dem Stein. Der alte Sandstein war nicht dazu geeignet, Fesseln zu halten. Kleine Steinchen rieselten zu Boden. Wieder und wieder zog sie an der Kette.

Endlich! Sie bewegte sich.

Mit aller Kraft zog sie daran. Ihre Muskeln spannten sich an, schmerzten. Rapunzel ignorierte die Agonie, zog weiter.

Ein leises Kratzen ertönte. Die Verankerung im Stein bewegte sich, ganz leicht nur. Rapunzel zog fester.

Mit einem lauten Knall löste sich die Verankerung, Rapunzel krachte auf den Boden. Die Luft entwich ihrer Lunge.

Schnell richtete sie sich wieder auf.

Die Tür war offen. Zum ersten Mal als sie alleine war.

Rapunzel eilte der Freiheit entgegen.

Ihr Blick fiel auf Esme, die zurückkehrte. Noch konnte sie ihrem Liebsten nicht folgen. Sie musste Esme entkommen. Ihr Blick fiel auf das alte verfallen Häuschen. So oft hatte sie sich gefragt, was sie dort finden würde, doch Esme hatte ihr verboten, dort hinzugehen.

Die Tür war bereits eingefallen. Als Versteck sollte es dennoch reichen. Sie betrat die Hütten. Innen stockte ihr der Atem. An einem Tisch saßen zwei Skelette, die ihren Kopf im Schoß hielten.

„Ja, das sind deine Eltern.“

Rapunzel fuhr herum. An der Tür stand Esme. Der Ausgang war versperrt. Rapunzel konnte nicht fliehen.

„Du hast behauptet, sie haben mich an dich verkauft!“

Sie musste Esme ablenken.

Die lachte. Ein meckerndes Lachen.

„Haben sie, aber sie wollten nicht ihren Teil des Handels einhalten. Ich musste ein wenig nachhelfen.“

„Du hast keine Liebe für mich. Warum wolltest du mich?“

„Deine Jugend. Ich brauche die Haare einer Jungfrau, um nicht zu altern. Das hast du Hure mir genommen.“

Esme kam einen Schritt näher. Ihr Körper strömte reine Macht aus. Sie konnte Rapunzel vernichten.

„Aber zum Glück wächst in dir ein neuer Bastard heran. Die Kleine wird mir noch viele Jahre gewähren.“

Rapunzel wich zurück, stieß gegen den Tisch.

Esme kam näher, sie nahm Rapunzels ganze Welt ein. Ihr Schicksal war besiegelt.

Ihre Hand umklammerte die Gürtelschnalle, die sie die ganze Zeit gehalten hatte. Alles, was ihr von Georg blieb.

Esme kam näher, hatte sie beinahe erreicht.

Rapunzels Hand schoss vor. Die Spitze der Schnalle bohrte sich in Esmes Auge.

Die Vettel schrie auf, hielt sich die Wunde.

Rapunzel blickte sich um. Da! Da war eine Axt. Sie schnappte sich das Werkzeug. So manchen Winter hatte sie das Holz der alten Hexe spalten müssen. Nun würde sie etwas Anderes spalten.

Mit aller Kraft schlug sie zu. Die Klinge der Axt bohrte sich in Esmes Schädel. Die alte Frau starrte ihr Mündel ungläubig an. Kraftlos hob sie ihre Hand.

Und brach zusammen.

Rapunzel stürzte aus der Hütte. Ganz deutlich waren dort Schleifspuren zu sehen. Mit klopfendem Herzen folgte sie ihnen.

„Bitte, bitte, lass ihn leben!“ flehte sie.

Es dämmerte bereits. Tränen verschleierten Rapunzels Sicht.

Da hörte sie ein leises Jammern.

Da! Ein rotes Hemd. Sie eilte zu ihrem Liebsten, hielt seinen geschundenen Körper, küsste ihn sanft auf die Stirn.

„Ich rette dich“, versprach sie ihm. Die alte Hexe hatte ihn geblendet, doch sie wollte seine Augen sein.

Irgendwie, mit übermenschlicher Anstrengung, hatte es Rapunzel geschafft, ihn aus dem Wald zu schleifen. Sobald sie ein Dorf erreicht hatten, halfen ihm die Bewohner. Sie sandten Boten zu Georgs Vater. Der war überglücklich, dass sein Sohn noch lebte. Aus Dankbarkeit vermählte er die beiden.

Ihre gemeinsame Zeit war nicht spurlos an ihr vorbeigegangen. Rapunzel streichelte ihren wachsenden Bauch. Für sie war ein Märchen wahr geworden.

 

Sein Vater, der Bastard, hatte sie beide verheiratet. Nun würde er immer an das Mädchen gebunden, das Schuld an seiner Blindheit war.

 

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