SAARA – MARIO ROHRHOFER

Schreibwettbewerb für Horror-Autoren

Die folgenschwersten Verletzungen sind oft die, die keine sichtbaren Narben hinterlassen.

 

Susanne Meier stand vor der Tür, atmete einmal tief durch, drückte die Klinke nach unten und betrat das Zimmer ihrer neuen Klasse.

Es war ihr erster Arbeitstag nach einer längeren Zwangspause. Seit dem Tag, als sie ihre erst fünfjährige Tochter Lilly und ihren Freund Thomas auf tragische Weise verlor, da die letzte Unterrichtseinheit ausfiel kam sie an diesem Freitag früher von der Schule nach Hause. Als sie in die Straße einbog, sah sie schon von weitem, dass die Eingangstüre zu ihrem Haus offenstand. Sie stieg aus dem Auto und rannte zum Haus. Im Flur lag ihr Freund in einer Blutlache, bäuchlings auf dem Boden. Er hatte eine Platzwunde am Hinterkopf, die mit Haaren verklebt war und aus der immer noch das Blut sickerte. Mit zwei Fingern tastete sie nach dem Puls an seinem Hals, zwar war dieser nur schwach aber tastbar. Gott sei Dank, er lebt. Aber wo ist Lilly?

Susi hörte eine fremde Männerstimme aus einem Zimmer, obwohl die eher einem Stöhnen und Grunzen glich. Langsam ging sie in Richtung der Geräusche und öffnete die nur leicht angelehnte Türe ihres Schlafzimmers. Sie erstarrte fast vor Schreck als sie registrierte was hier vorging. Ein Mann verging sich gerade an ihrer Tochter. Ein Notebook stand offen auf den Nachttisch und zeigte ein kleines Fenster, indem man ihr Schlafzimmer erkannte. Rechts daneben konnte man die Kommentare und Anweisungen von den Nutzern des abartigen Geschehens mitverfolgen. Susi griff geistesabwesend zu der auf der Kommode stehenden Lampe und schlug damit dem Unbekannten mit aller Wucht auf den Hinterkopf, der so in seinem Gewaltrausch war, dass er von alledem nichts mitbekam und bewusstlos über Lilly zusammenbrach. Kurze Zeit später kam auch schon der Rettungswagen und die Polizei. Die Sanitäter nahmen Lilly und Thomas mit, während die Polizei sich um den bewusstlosen Mann kümmerte, der langsam wieder zu sich kam und ihn abführten. Die Sanitäter versicherten Susi, dass sie das Beste für die beiden geben werden. Die Ernüchterung kam dann zwei Tage später, als Lilly den Kampf gegen die inneren Verletzungen, die sie von der schrecklichen Tat davongetragen hatte, verlor. Als wäre das noch nicht genug für Susi gewesen, stürzte sich Thomas einige Tage später von einer Autobahnbrücke, da er mit dem Gedanken, nicht mal seine eigene Familie beschützen zu können, nicht mehr leben konnte.

Die ersten Tage in der Schule liefen nicht wie erwartet, denn durch die Arbeit mit den Kindern, brach die ganze Vergangenheit nach dem Unterricht wieder heraus. Während des Unterrichts hatte sie sich dank der Medikamente ganz gut im Griff. Nach dem Tod ihrer Tochter und ihres Freundes war sie einige Jahre in Therapie, um die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten. Dort lernte Susanne das Thema WCST – „Webcam Child Sex Tourism“, kennen. Susi fand nach der Recherche im Netz heraus, dass dieses erst wenige Jahre alte Phänomen, binnen kurzer Zeit immer heftigere Züge annahm. Die Gewalt wurde immer extremer und die Opfer immer jünger – bis hin zu Babys. Die Kinder werden sexuell missbraucht, während der wahre Täter vor dem Bildschirm in seinem sicheren Haus unbeobachtet dem Vergewaltiger via Webcam live bei seiner Tat zusieht und ihm auch noch Anweisungen geben kann. Susanne begab sich daraufhin in die Tiefen des Internets, um nach dem wahren Täter zu suchen. Derjenige, der ihr Kind tatsächlich missbraucht hat, war genauso ein Opfer wie sie selbst, das wurde ihr schnell klar. Nach einigen Anträgen um Kontaktaufnahme mit dem Vergewaltiger, wurde nach zwei Monaten ein halbstündiges Gespräch bewilligt. Sie wollte den wahren Täter, der für den Tod von Lilly und Thomas verantwortlich war, finden und zur Rechenschaft ziehen, bevor dies nicht erledigt ist konnte sie wohl kein normales Leben führen.

Leider kannte, der zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilte Täter, den wahren Namen des Auftraggebers, selbst nicht, er erhielt immer nur die Adressen von den möglichen Opfern und wann die beste Zeit für die Erfüllung des Auftrages sei. Nach erfolgreichem Abschluss erhielt er dann seine Bezahlung. Er nannte ihr allerdings die einschlägigen Seiten und Foren, wo er die Aufträge bekommen hat.

 

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Es war der zweite Samstag im Dezember, am Vortag hatte es viel geschneit und überall am Straßenrand lag nun der festgefrorene Schnee, den die Gemeindemitarbeiter mit ihren Schneepflügen auf den Seiten aufgetürmt hatten. Lara ging heute mit ihren Eltern und ihrem Bruder Georg zum Adventmarkt. Lara freute sich schon riesig darauf, denn sie wollte ihren Wunschzettel heute dem Christkind überbringen. Wie jedes Jahr kam auf diesen Weihnachtsmarkt das Christkind persönlich vorbei, um sich die Wünsche der Kinder dieser Stadt abzuholen.

Bevor sie sich aber auf dem Weg zum Schlösseradvent begaben, machten sie noch einen kleinen Spaziergang entlang der Esplanade, um den traumhaften Ausblick auf den glitzernden See vor den mit schneebedeckten Berggipfeln zu genießen. Schlussendlich kamen sie dann an die festlich beleuchtete, einhundertdreiundachtzig Meter lange Holzbrücke, die rüber auf das über die Grenzen des Landes hinaus bekannte Seeschloss, in dem der Weihnachtsmarkt alljährlich an den Wochenenden stattfand, führte. Schon auf dem Weg über diese Brücke nahm man bereits den herrlichen Duft der Kekse und nach gebrannten Mandeln wahr. Neben dem wunderbar beleuchteten Schloss, zogen auch die schwimmende Krippenszene mit lebensgroßen Figuren von Maria, Josef und dem Jesuskind sowie Lichtkugeln und beleuchtete Christbäume die Blicke auf sich. Auch ein übergroßer Adventkranz, mit zwei leuchtenden Kerzen und ein Engel befanden sich unter dem einzigartigen Lichtermeer.

Während sich Laras Eltern einen Glühwein genehmigten und sich Georg bei dem Maronibrater anstellte, lief Lara zu der Kinderbetreuungsmöglichkeit, denn hier gab es die Möglichkeit ihren Wunschzettel direkt dem Christkind zu überbringen. Leider kamen sie heute zu spät, denn das Christkind war bereits gegangen. Schuld an der Verspätung war ihr Vater Michael. Im letzten halben Jahr kam es wieder öfter vor, dass er an den Wochenenden mehrere Stunden in seinem Home-Office, im Keller des Hauses verbrachte und dabei die Zeit übersah. Der Keller durfte nur von ihm betreten werden und war wie das gesamte Gebäude, alarmgesichert.

Traurig machte sich Lara also auf den Weg zurück zu ihren Eltern, auf diesem hielt sie ein südländisch aussehender Mann auf.

„Hallo, was ist denn mit dir los? Warum schaust du so traurig?“ fragte er die Kleine.

„Ich wollte gerade meinen Wunschzettel beim Christkind abgeben, aber ich bin heute etwas zu spät gekommen und es war schon weg und jetzt bekomme ich heuer keine Geschenke zu Weihnachten.“, antwortete Lara mit leicht nasaler Stimme.

„Ach du Arme, vielleicht kann ich dir ja helfen. Wie heißt du denn?“

„Lara. Und wie heißt du?“

„Ich bin Amin. Also Lara, darf ich dir einen Vorschlag machen? Wenn du möchtest, kannst du mir deinen Wunschzettel geben. Ich kenne zwar das Christkind nicht persönlich, aber ein guter Freund von mir kennt den Weihnachtsmann, dem könnte ich den Brief geben, wenn du möchtest.“

„Aber den Weihnachtsmann gibt es doch gar nicht.“, antwortete Lara schmollend.

„Glaubst du, mein Freund hat mich angelogen?“

Lara glaubte nicht an den Weihnachtsmann. Ihre Eltern erklärten ihr, dass der Mann mit dem weißen Rauschebart und dem roten Mantel, nur eine Erfindung sei und das Christkind, ein goldblonder Engel mit weißem Kleid, der wahre Geschenkebringer sei. Aber bevor sie leer ausging, konnte sie es ja mit dem Weihnachtsmann versuchen, vielleicht gibt es ihn ja doch. Nach einigem Zögern gab Lara ihren Brief Amin, sodass dieser ihn dann an den Weihnachtsmann weiterleiten konnte.

Beide Kinder kamen mit einem Lächeln im Gesicht zurück an den Stand wo ihre Eltern den Glühwein konsumierten. Lara, weil sie ihren Brief an das Christkind doch noch los wurde und Georg, weil der Maronibrater ihm nämlich die Röstkastanien selbst wenden ließ, da dieser kurz eine neue Packung Maroni aus dem Lager holen musste. Georg bekam dafür auch zehn statt der üblichen neun Maroni in die selbstgefaltete Spitztüte aus Zeitungspapier.

Der Abend ging langsam zu Ende. Lara und Georg wollten schon nach Hause, also tranken Manuela und Michael ihren Glühwein aus und machten sich dann gemeinsam auf den Heimweg.

 

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Amin kam vor anderthalb Jahren nach Österreich. Er war einer, der Flüchtlinge, die erst später kamen und einer der wenigen, die versucht haben, in ihrem Heimatland zu bleiben. Aber es ging einfach nicht mehr. Er denkt immer noch oft an seine schöne Heimat zurück, doch schön war sie schon lange nicht mehr. Krieg, Hunger, Zerstörung und Tod regierten bereits seit Jahren seinen Alltag. Im Juni letzten Jahres stand er hier mit einem Herz voll Schmerz. Er verließ das Land seiner Vorfahren nicht freiwillig, nie hätte er die Überreste seiner verstorbenen Großeltern freiwillig in diesem zerstörten Land zurückgelassen. Er wurde vielmehr dazu getrieben zu flüchten, sie wurden regelrecht ausgehungert, man konnte nichts mehr anbauen auf den zerbombten Feldern und der Nachschub der internationalen Kräfte kam auch immer weniger durch die bekriegten Gebiete. Er wurde gezwungen sein Heimatland zu verlassen, um sein Überleben und seine Freiheit zu sichern.

Er wollte sich hier ein neues Leben aufbauen, eine neue Existenzgrundlage schaffen. Endlich keine Angst mehr haben, ob man am nächsten Morgen aufwachen würde. Amin war optimistisch, dass ihm dies hier gelingen würde. Er integrierte sich schnell, lernte die Sprache, war offen gegenüber den neuen Werten dieser Gesellschaft. Er bekam ein Dach über den Kopf und fand auch rasch Arbeit in einer Tischlerei. Er war sehr engagiert und die Vorgesetzten als auch die Kunden lobten ihn ständig für seine großartigen Arbeiten und sein freundliches Auftreten. Doch dann kamen Gesetzesänderungen und Amin musste seine Anstellung bei der Firma aufgeben, da er den Einheimischen den Job wegnehmen würde. Als wäre das nicht schon schlimm genug, wurde wenig später eine Kürzung der staatlichen Unterstützung beschlossen. Amin musste sich was einfallen lassen, um weiter hierbleiben zu können.

Ein Freund gab ihm den Hinweis, dass es einen Einheimischen gäbe, der für kleine Gefälligkeiten gut bezahlen würde. Und so landete er nun hier, am Heiligen Abend, wie er hier genannt wurde, vor dem Fenster dieses schicken Einfamilienhauses. Er solle hier warten bis das Fahrzeug die Einfahrt verlies, dann bekäme er den nächsten Auftrag.

 

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Lara und Georg warteten schon gespannt, dass endlich das Glöckchen läutete, ein Zeichen dafür, dass das Christkind gerade hier ist und die Geschenke unter den Baum legt. Endlich klingelte es und beide stürmten auf die Tür zu aber wie jedes Jahr, musste sie ihr Vater Michael trösten, dass sie leider zu langsam waren. Das Christkind sei gerade durch das Fenster wieder nach draußen geflogen.

„Seht ihr, da am Baum hängt noch eine goldene Locke vom Christkind, da muss sie wohl hängengeblieben sein.“

„Warum hast du das Fenster offengelassen, Papa? Jedes Jahr das gleiche.“, schimpften die beiden Kinder.

„Ich muss es ja öffnen. Wie soll es sonst reinkommen? Aber die Geschenke hat es dagelassen. Vielleicht habt ihr nächstes Jahr mehr Glück, wenn ihr schnell genug seid.“

Lara fiel sofort das große mit rotem Geschenkpapier umwickelte und mit grüner Schleife gebundene Paket auf. „Darf ich das als erstes öffnen, Mama?“

„Du weißt doch genau, dass die Bescherung erst nach dem Besuch in der Kirche stattfindet, Lara.“

„Nur das eine. Bitte.“, protestierte Lara.

„Gut, dann darf Georg aber auch eines öffnen und nachher fahren wir.“

Während Georg sich sein erstes Paket aussuchte, ging Lara zielstrebig auf das leuchtend rote Paket zu.

Manuela sah skeptisch zu ihrem Mann Michael, den sie wusste nicht von wem das Paket ist, denn sie hatte es nicht unter den Baum gestellt. „Ist das von dir?“

„Nein, ich habe es nur unter den Baum gestellt. Der Postbote hat es heute früh noch gebracht. Es war schon so verpackt, ich dachte du hättest …“

Ein schriller Schrei von Lara unterbrach die Unterhaltung. „Schaut mal, das hat mir der Weihnachtsmann gebracht, es gibt ihn doch.“

Lara gab die dem Paket beigelegte Karte ihren Eltern. Auf der Karte stand „Frohe Weihnachten Lara, wünscht dir der Weihnachtsmann.“ Ungläubig sahen sich die beiden an.

In dem Paket befand sich Saara, die neueste Spielzeugpuppe auf dem Markt mit Spracherkennung. Die Puppe konnte durch Zugriff auf das Internet auf Fragen der Kinder interaktiv und sofort antworten und war gerade der große Renner unter den fünf- bis achtjährigen Kindern. Lara verzog sich sofort mit Saara in ihr Zimmer, um mit ihr zu spielen.

„Lara, kommst du wieder raus? Wir müssen in die Kirche, hast du das schon vergessen?“

„Ich will aber jetzt mit Saara spielen. Kann ich nicht erst morgen früh mit Oma und Opa hingehen?“

„Ausnahmsweise, aber darüber werden wir noch ein ernsteres Wort reden müssen. Bis später und lass die Haustüre geschlossen, solange wir nicht da sind.“

Bevor die restlichen Familienmitglieder mit dem Wagen in die Kirche fuhren, aktivierte Michael noch die Alarmanlage.

 

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Der Junge, den er letzte Woche am Adventmarkt gesehen hatte, als dieser seine Maroni vom Verkäufer bekam, sowie die zwei Erwachsenen stiegen in den dunkelblauen Familien-Van ein und verließen die Einfahrt um in Richtung Stadtzentrum zu fahren. Es war die Familie, die er im letzten Monat im Auge behalten sollte, auch wenn er den genauen Grund nicht wusste. Für diesen Auftrag bekam er € 500,- pro Tag, von dem unbekannten Einheimischen bzw. konnte er sich das Geld vom Automaten abholen. Den Mann, der ihm die Aufträge telefonisch mitteilte, hatte er noch nie getroffen. Amin vermutete, dass die Familie in die abendliche Christmette fuhr. In einem der Werte-Kurse, den er kurz nach seiner Ankunft hier besuchen musste, hatte er gelernt, dass dies hier Tradition sei. Allerdings wunderte er sich warum das zweite Kind, die Tochter Lara von der er den Brief für den Weihnachtsmann bekommen hatte, nicht mitgefahren ist.

Sein Handy läutete. Wieder eine unbekannte Nummer. Amin ging ran und zuckte kurz zusammen, als er die ihm schon vertraute tiefe und raue Männerstimme hörte. Die Stimme jagte ihm jedes Mal einen kalten Schauer über den Rücken. Kurz und prägnant teilte diese ihm den nächsten Auftrag mit und legte auf.

Was sollte er nun tun? Bis jetzt waren alle Aufträge harmlos und teilweise erkannte Amin auch keinen Sinn dahinter, dass jemand für solche Dienste bezahlen würde. Aber der Code, den er nach dem Erfüllen bekam, stimmte immer und er konnte sich so seine mickrige Unterstützung vom Staat aufbessern. Er geriet ins Wanken, sollte er wirklich in dieses Haus einsteigen? Sollte er seine gute Integration aufs Spiel setzen und eine Abschiebung in seine zerstörte Heimat riskieren? Und warum sollte er warten bis in einem der Zimmer das Fenster geöffnet wird? Er würde es tun, es würde aber der letzte Auftrag sein, den er ausführen wird, mit der Summe die er genannt bekommen hatte, würde er in nächster Zeit gut leben können.

 

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Alles ist nun bereit, jetzt gibt es kein zurück mehr. Saara war keine Standard-Version, sie wurde modifiziert. Das rechte Auge der Puppe wurde eine Mini-Kamera eingebaut, die über das Internet gesteuert werden konnte und die Bilder live in die ganze Welt übertrug.

„Hallo Freunde der Weihnachtsmann ist da und hat euch ein Geschenk mitgebracht.“, wurde anonym im bekannten Forum für WCST gepostet. „Für nur € 100,- könnt ihr jetzt live mitverfolgen, wie ein kleines Mädchen vergewaltigt wird.“

Als dieser Post abgeschickt wurde, schnellte der Besucherzähler enorm in die Höhe und auf dem zweiten Bildschirm konnte der Weihnachtsmann sehen, wie sich sein Kontostand in Hunderterschritten stetig erhöhte.

Mit ein paar Eingaben und Klicks wurde die Alarmanlage deaktiviert und nun wurde es auch Zeit, das Gespräch mit Lara zu beginnen.

„Hallo, Lara.“, erklang es aus dem Lautsprecher von Saara.

Lara erschrak und schleuderte die Puppe von sich weg mit der sie gerade einen Tee trank.

„Entschuldigung Lara ich wollte dich nicht erschrecken. Ich bin es der Weihnachtsmann, gefällt dir mein Geschenk? Es ist doch die Puppe, die du dir gewünscht hast.“

Lara erholte sich wieder langsam von dem ersten Schock, den sie erlitten hatte.

„Äh… ja …, das ist die Puppe, die ich mir gewünscht habe. Danke Weihnachtsmann, bist du da drinnen?“

„Freut mich das sie dir gefällt. Nein, ich bin nicht in der Puppe. Ich wollte mich nur etwas mit dir unterhalten und sehen wie es dir geht. Denkst du immer noch, dass es mich nicht gibt?“

„Nein, ich rede ja jetzt mit dir, also muss es dich ja geben.“

„Gut. Braves Mädchen. Könntest du vielleicht das Fenster öffnen? Hier drinnen ist es mir etwas zu warm. Ich bin vom Nordpol andere Temperaturen gewohnt, nur kurz damit du nicht frierst.“

Lara stand auf und öffnete das Fenster, ein Zeichen für Amin mit dem Auftrag zu beginnen. Ein kurzer Blick auf das Konto bestätigte, dass es auch Zeit war mit der Übertragung zu beginnen.

„So Leute nun ist es so weit, Bühne frei für Amin und Lara.“ Mit einem Klick auf den Button mit der Aufschrift „PLAY“ wurde die Webcam in Saaras Auge aktiviert und die Übertragung konnte beginnen.

Zuerst konnte man nichts sehen, außer die Zimmertür. Eine kurze Bitte an Lara, die Puppe umzudrehen, um sie mit dem Gesicht zum Fenster schauen zu lassen, brachte ein besseres Bild.

In aller Welt konnten jetzt die zahlenden Kunden live mitverfolgen wie ein großer, schlanker südländisch wirkender Mann durch das Fenster stieg, welches er hinter sich schloss und Lara von hinten packte und ihr den Mund zuhielt. Auf Anweisung, des Weihnachtsmanns, sollte Amin jetzt die Kleine an das Bett fesseln und sie dann vergewaltigen.

Amin zögerte und die Kunden wurden unruhig.

Egal die können mich eh nicht hören, es wird ja nur das Bild ins Internet übertragen, also besteht keine Gefahr für mich.

Susanne schaltete den Stimmenverzehrer aus. Sowohl Amin als auch Lara bekamen große Augen als sie registrierten das eine Frau der „Weihnachtsmann“ ist.

„Ich habe gesagt du sollst sie vergewaltigen Amin, du bist mir ausgeliefert, alle Spuren führen zu dir. Wenn du also nicht machst was ich dir sage, wird das heute dein letzter Tag in diesem Land als freier Mann sein. Ein Anruf von mir und die Polizei wird in wenigen Minuten draußen vor dem Haus stehen und dich auf frischer Tat erwischen und deine versprochenen € 50.000,- kannst du auch vergessen. Es ist deine Entscheidung.“

 

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 „Ein fabelhafte Show hat uns hier Amin abgeliefert. Das war es für heute. Ich hoffe ihr hattet euren Spaß. Bis zum nächsten Mal. Der Weihnachtsmann.“

Susanne unterbrach mit „STOP“ die Aufzeichnung und loggte sich aus dem Forum aus. Das Geld ist verdient und jetzt kommt noch der Rest.

„So Amin, Vielen Dank für dein Entgegenkommen. Wir müssen jetzt noch zusammenräumen und deine Spuren beseitigen. Wie vereinbart, wirst du Lara zu der besagten Garage bringen und dort ablegen. Die Puppe entsorgst du in einer der nächsten Mülltonnen. Wenn Lara bei mir ist, bekommst du wie immer eine SMS mit dem Code, mit dem du dein Geld bekommst. Für mich ist dann alles erledigt und wir hören nie wieder voneinander.“

 

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Tageszeitung, 26.12.2018

„Gestern in den frühen Morgenstunden warf sich der Asylwerber Amin M. vor den Zug. Es wird vermutet, dass er Lara, die Tochter des ehemaligen Angestellten im Innenministerium Michael Eder, am Heiligen Abend aus ihrem Elternhaus, während diese mit ihrem zweiten Kind Georg die Christmette besuchten entführt hat. Als Beweis wird angeführt, dass die Puppe, die Lara zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, neben ihm gefunden wurde. Ein Rätsel bleibt allerdings noch ungeklärt. Es wurde bei dem Toten ein Handy gefunden mit zahlreichen Nachrichten, die alle von verschiedenen Nummern stammten und jeweils nur ein oder zwei Worte enthielten. Die letzte erhaltene Nachricht war noch ungelesen. Der Polizist, der das Handy fand, öffnete die Nachricht. Der Inhalt lautete: „Frohe Weihnachten“.

Da zum derzeitigen Zeitpunkt noch ungeklärt ist, ob Lara noch am Leben ist, laufen die Untersuchungen weiter. Allerdings sagte der Polizeisprecher, dass er wenig Hoffnung hätte, was die Auswertung der Telefonnummern betreffe, da alle zu nicht registrierten Pre-Paid-Karten gehörten und somit keiner Person zugeordnet werden können. Michael Eder, kündigte, vor drei Jahren seinen gut bezahlten Job aus persönlichen Gründen, wie es damals hieß. Die Ermittlungen werden in alle Richtungen fortgeführt, da eine Beteiligung Dritter, nicht zuletzt aufgrund der mysteriösen Handynachrichten, nicht auszuschließen ist, und wegen der Tatsache, dass die Entführung von Lara auch mit der damaligen Anstellung im Innenministerium von Michael Eder zu tun haben könnte.“

 

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Mit einem Lächeln im Gesicht, sah Susanne auf Lara, die nun friedlich im Bett ihrer verstorbenen, etwa gleichaltrigen Tochter Lily schlief. Zärtlich strich sie ihr eine Strähne hinter das Ohr und flüsterte ihr zu, „Endlich gehörst du mir.“ Susi hatte noch viel vor mit Lara und da die Informationen über Amin und seine sexuellen Neigungen wohl gestimmt haben, ist die Kleine noch viel mehr wert. Wieviel es wirklich ist, wird sie bald herausfinden. Die Frage, die sich Susanne aber wirklich stellte, war ob der User MikeReed immer noch aktiv sein würde. Falls dies der Fall sein sollte, wird er aufgrund der anhaltenden Ermittlungen, vermutlich in nächster Zeit wohl weniger aktiv sein.

 

 

ENDE

 

[Gesamt:2    Durchschnitt: 3/5]

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