SEELENBRECHER – P. R. JUNG

Schreibwettbewerb für Horror-Autoren

Prolog

Nachts war meine bevorzugte Zeit, um auf Jagd zu gehen. Ja, ich nenne es Jagd, da ich genau das tat. Ich suchte mir meine Beute aus, umgarnte sie, lockte sie in einen Hinterhalt und schlug dann erbarmungslos zu. Ich bin ein Tier, eine Bestie in Menschengestalt.

Hah, klingt das zu trocken, zu einfach und zu viel nach Mord?

Dann ergreife meine Hand, schau in meine Augen und ich bin für dich das, was du darin siehst.

Ich entführe Dich in meine Welt!

 

Kapitel 1

 

Während andere großen Wert darauf legten, wie sie bei ihrem Gegenüber ankamen, machte ich mir nicht die Mühe. Warum auch. Noch wusste ich nicht, wer es sein sollte.

Doch, dass es mal wieder an der Zeit war, um auf die Jagd zu gehen, verriet mir meine innere Unruhe. Ich verglich es gerne mit den Symptomen, die Suchtkranke auf Entzug haben. Mein Mund wurde Trocken, meine Hände zitterten und mein Herz begann zu rasen.

 

Und so beschloss ich die kommende Nacht zu nutzen, um diesen Zustand ein Ende zu bereiten.

Je unruhiger ich war, desto mehr Action brauchte ich für mein Ziel. Heute beschloss ich einen Nachtclub aufzusuchen. Ich hielt mich gerne in der Oberschicht auf. Die Gleichgültigkeit, die dort herrschte, machte es mir leicht meine Sucht zu stillen. Schon beim Eintreten in den Club, schlug mir der Duft des Geldes, der Arroganz und des Neides entgegen. Mein Weg führte mich an die Bar, wo ich mir einen Drink bestellte und dem Barkeeper zuzwinkerte. Als er mir lächelnd das Glas hinstellte, konnte ich mich in seinen Augen sehen. Wieder musste ich lächeln. Doch dieses mal war es ein Mitleids lächeln.

Er hatte einen billigen Geschmack. Was ich da sah, war einfach nur widerlich. Ich hatte nichts mit der Person gemein, die er in mir sah.

Fast gleichzeitig wendeten wir unseren Blick ab. Er, weil ein Gast eine Bestellung aufgab, und ich, um nach einem Snack Ausschau zu halten, der meiner Würdig war. Oder zumindest einer, mit einem besseren Geschmack.

 

Es war noch zu früh und so würde es heute wirklich nur ein Snack werden. Keiner der Anwesenden stach mit seiner Persönlichkeit heraus. Ich überlegte, ob ich nicht sogar den Ort wechseln sollte, aber mein Wunsch, es heute noch zu tun, war zu groß.

 

Das Herabfallen eines Glases, ließ mich aufsehen, ein junger Mann, ich schätzte ihn auf Anfang zwanzig, unauffällig, mit dunkel blondem Haar, grau grünen Augen und einer Brille, die zu seiner eher schüchternen Art passte. Ich wollte schon aufstehen, um mich bemerkbar zu machen, als ich angesprochen wurde.

 

„Ich beobachte dich schon eine Weile, dir scheint der Drink nicht zu schmecken, da er noch unberührt ist“.

Ich sah zu dem Sprecher auf. Er passte eindeutig besser hier her als der Kleine, der eben noch meine Aufmerksamkeit hatte. Ich sah noch mal zu dem Jungen. Pass auf dich auf. Dachte ich und widmete mich nun meinem Gegenüber.

„Unberührt“?

Fragte ich und sah ihm in seine Grauen Augen. Ich war kurz erstaunt darüber, wie er mich sah.

Für ihn würde ich in die Rolle eines Jungen Mannes schlüpfen. Verwuscheltes Haar, scheue, unschuldige Augen und wenigstens einen Kopf kleiner.

Ich lächelte ihn an.

Das spiel konnte beginnen.

„Ja, ich bin un…. Ehm ich habe es noch nicht angefasst. Der Abend soll für mich noch nicht so schnell vorbei sein“. Stammelte ich und lies zu, dass ich errötete.

Sein Blick strahlte Siegessicherheit aus.

Innerlich konnte ich nur über ihn schmunzeln. Ich sollte hier zum gejagten werden. Auch wenn mir der Entzug zu schaffen machte, wollte ich den Abend genießen.

Langsam nippte ich an meinem Glas, etwas davon lief an meiner Lippe hinab, als ich es absetzte. Es animierte ihn, es mit seinem Finger aufzufangen und es abzulecken. Wieder errötete ich und gab ihm damit einen weiteren Trumpf in die Hand. „Du musst doch keine Angst vor mir haben. Ich beiße nicht“. Kam es in ruhigem Ton von ihm! „Mein Name ist Erik und wie heißt du mein Junge“?

Wieder verriet mir ein Blick in seine Augen, dass ich wirklich nur ein schmächtiger junger Mann war. „Nennen sie mich bitte Alex, die meisten tun das“. Kam es fast flüsternd von mir! „Nun gut Alex, wollen wir nicht an einen Ort, wo es etwas weniger laut ist? Ich verstehe dich ja kaum“.

Ich schluckte und sah mich nach einem Sitzplatz um. „Aber doch nicht hier. Ich dachte an etwas ruhigem, nur du und ich. Um uns etwas besser kennenzulernen“.

Sagte er und griff nach meiner Hand um sie sanft zu drücken.

Er machte es mir wirklich leicht. Oder sollte ich sagen, ich machte es ihm leicht? Das, was er in mir sah, war nur eine Staubfluse im Wind. Wieder schluckte ich, biss auf meine Lippe und holte tief Atem. Ich nickte erneut und musste auf ihn einen verschreckten Eindruck machen. „Es ist alles gut mein kleiner, ich bin kein Unmensch und werde dir nicht weh tun“.

 

Er klaute mir gerade meinen Text. Es wird nicht weh tun, glaub mir. Entspann dich und du wirst glücklich sterben. Dachte ich, ohne eine Miene zu verziehen.

 

Etwas entspannter lächelte ich ihm zu und stellte mein Getränk ab. „Wohin willst du?“ Fragte ich und versuchte auch jetzt noch etwas angst in meiner Stimme mitschwingen zu lassen. „In mein Hotelzimmer. Die Minibar wird sicher etwas haben, das dir schmeckt und wenn du mich dann noch etwas näher kennenlernen möchtest, hätte ich nichts dagegen“. Sagte er und griff nach seinem Mantel der nicht weit von uns, über einem Stuhl hing.

Ein scheues lächeln überzog mein Gesicht und ich nickte wieder. Er ging voran und ich folgte ihm.

 

Neugierige blicke folgten uns doch alles, was die andern sahen, war das, was Erik nun auch sah. Erst wenn ich meinem Gegenüber in die Augen sah, gab ich ihnen das Trugbild ihrer Gelüste zu sehen.

 

Er hielt mir erst die Autotür und danach die Tür seines Hotelzimmers auf.

 

Es war luxuriös eingerichtet. Genau das, was mir auch sehr an diesen Räumlichkeiten gefiel. Und es würde heute Nacht das letzte Mal sein, das er es nutzte.

So wie er zog auch ich meine Schuhe aus und legte meinen Mantel ab.

Dann folgte ich ihm in den Wohnbereich und nahm das Glas Champagner an, das er mir reichte. Ich konnte die Gier in seinen Augen sehen und es zwischen den Sätzen lesen dir mich beruhigen und in Sicherheit wiegen sollten.

Die Wirkung, die ein Glas Champagner hervorrief, musste ich simulieren. Essen und Trinken waren nichts, das ich für mein Dasein brauchte.

Meine Wangen bekamen eine leichte röte und ich suchte bei ihm halt, als ich taumelte. Er lachte und nahm mich in seine Arme. „Du solltest dich etwas ausruhen. Vielleicht sogar hinlegen“. Sagte er in gespielt, besorgten Ton und führte mich nun ins Schlafzimmer.

Ich atmete schwer und öffnete den obersten Knopf meines Hemdes um besser Luft zu bekommen. Natürlich nutzte er die Situation aus und setzte sich zu mir. „Leg dich etwas hin“. Bat er mich und half mir ganz aus dem Hemd! Mit den Worten, „du bist wunderschön“ Begann er sich mir zu nähern! Er wollte mich küssen, doch das ließ ich nicht zu und drehte den Kopf zur Seite. „OK, das nicht“. Sagte er mehr zu sich und küsste dann meine Brust, den Bauch hinab, bis zum Bund meiner Hose. Seine Hände zitterten vor Aufregung beim Öffnen meines Gürtels.

Für mich war es ab jetzt genug. Meine Selbstbeherrschung hatte den Nullpunkt erreicht. Ich ergriff seine Hand und hielt sie fest. „Bitte nicht“. Sagte ich und ließ wieder große Angst darin schwingen. Ich setzte mich auf und sah ihn an. „So nicht“. Flüsterte Ich und sah in sein fragendes Gesicht. Ab jetzt, drehte ich den Spieß um, kletterte weiter aufs Bett und tigerte mich an ihn ran. „lass es mich tun, lass mich das Tempo bestimmen“. Flüsterte ich. „Natürlich, alles was du willst“. Kam es heißer von ihm. In seiner Hose sah ich seine Erregung. Wenn er wüsste was er mir mit den Worten, “alles, was du willst“ für einen Schatz in die Hand gegeben hatte, wäre sie der Angst gewichen.

Meine Hände zitterten, der wachsende Hunger war schon fast greifbar. Jetzt wo ich meinem Ziel so nah war, wollte, nein konnte ich nicht mehr länger warten. Ich stieg auf ihn und begann ihm sein Hemd zu öffnen und dann ganz aus zu streifen. Ich schluckte und biss mir wieder auf die Lippen. Das Schauspiel war nur für ihn. Bis zum Ende, sollte er sich Sicher fühlen. Erst dann, wenn es soweit war, würde er erkennen, das er sich die rechte Hand des Teufels ins Bett geholt hatte. Ich tat es ihm gleich und küsste seinen Oberkörper, doch ich tat es vom Bauch hinauf zu seinem Hals, leckte leicht an seiner Hauptschlagader entlang und spürte sein Blut rasen. Ich sog seinen Duft ein und hörte ihn leicht stöhnen. Dann hob ich meinen Kopf und sah ihn direkt in seine Augen. „Alles was du willst“. Wiederholte ich seine Worte und legte meine Lippen auf seine. Langsam umarmte ich ihn, drückte seinen Kopf nach hinten und brach ihm mit einem gekonnten Griff sein Genick. Ich atmete tief ein und schluckte seine Seele. Mit einem lächeln, löste ich mich von ihm. In meinem Innern wurde es warm, meine Hände wurden ruhig und ich atmete wieder normal. Für heute, war mein Hunger gestillt.

Er lächelte noch immer und so zufrieden wie er jetzt aussah, würde man ihn morgen finden.

 

Kapitel 2

 

Der nächste Tag begann und wie an jedem Wochentag, saß ich auch heute wieder in dem kleinen Cafe in der Nähe meines Hauses. Das Gesprächsthema Nummer eins war natürlich der Mord an einen Reichen Mann in der letzten Nacht. Noch war unklar, wer es war, doch das es wieder dieser Serienkiller war, der nun schon Jahre sein Unwesen trieb, stand für alle fest. „Der Abstand war dieses mal aber länger. Ob er noch in anderen Stätten mordet“? Hörte ich ein Gespräch, nicht weit von meinem Tisch entfernt. „Ich hätte nichts dagegen, wenn er von hier verschwindet oder wenn die Morde ganz aufhören“. Kam es als Antwort von der Kellnerin! „Es traut sich ja kaum noch wer auf die Straße“. Sagte sie weiter. „Aber er scheint ein festes Schema zu haben, da es immer ältere Männer sind, die es auf junge unerfahrene Burschen abgesehen haben“.

 

So ging das Gespräch noch einige Zeit weiter, in der ich ganz in meinen Gedanken versank.

Das Töten selbst bedeutete mir nichts, aber es gehörte dazu. Ich versuchte es so lange es ging auszuhalten, keine festen Zeiten oder Orte zu wählen. Nur so konnte ich sicher sein, immer wieder auf die richtigen zu treffen. Und dann nahm ich ihnen ihre Seelen, das, was einem Menschen zu dem machte, was er war, bevor sie ein Junges leben benutzten und zerstörten.

 

Jede Seele gab mir Kraft, machte mich satt und stark. Ein Mensch ohne Seele war nur eine leere Hülle und würde früher oder später zugrunde gehen.

 

„Was sagen sie zu all dem“? Ich sah auf und blickte in die Augen eines Mannes Mitte zwanzig, dunkelbraunes Haar und tief grüne Augen. Er hatte mich überrascht und so achtete ich nicht darauf, wie ich in seinen Augen aussah. “ Ehm. Was“? Stammelte Ich etwas verlegen. Er deutete auf die Zeitung, die vor mir lag. „Von den morden, was halten sie davon“? Fragte er erneut. Ich sah erst jetzt zu dem Papier und dann erneut zu ihm. Ich erkannte einen etwa fünfzehn Jahre älteren Mann in seinen Augen. Mein Gegenüber hatte einen guten Geschmack, dachte ich und konzentrierte mich schnell wieder auf seine Frage.

 

„Ich denke nicht das die Morde aufhören“. Gab ich als Antwort. „Aber warum tut jemand so etwas, was ist der Grund, was war der Auslöser“? Fragte er weiter.

Sah ich aus wie ein Psychologe?

In seinen Augen vielleicht.

„Ich habe keine Ahnung“. Log Ich ihn an. Ich konnte ihm ja schlecht erklären, warum die Morde passierten, noch konnte ich ihm sagen, dass er dem Killer direkt gegenüber stand. „Was denken Sie, warum solche Dinge passieren“? Stellte ich meinerseits die Frage und bot ihm den Platz vor mir an.

Er nahm den Platz ein und zog seinen Kaffee zu sich. „Ich denke, das es nicht nur eine Person ist. Das geht schon zu lange und ohne den kleinsten Hinweis auf einen verdächtigen“.

Ich zog meine Augenbraue hoch und sah ihn überrascht an, ließ ihn aber weiter reden. „Vielleicht hat einer begonnen und es dann, an einen andern weiter gegeben“. Rätselte er weiter. „So wie ein Lehrer seinem Schüler sein Wissen weiter gibt“? Fragte ich, um ihn zum weiter reden zu ermutigen. „Ja, so in etwa“.

Ich trank an meinem Kaffee und schloss für einen kurzen Moment meine Augen. Bildfetzen rasten wie ein Film an mir vorbei. Schnell öffnete ich sie und versuchte sie durch ein Kopfschütteln zu verscheuchen.

„Geht es ihnen nicht gut“? Fragte mein Gesprächspartner und riss mich aus meinen Gedanken. „Ich musste nur an etwas denken“. Entschuldigte ich mich bei ihm. „Was denken sie, war der Auslöser“? Wiederholte er seine Frage von vorhin. Ich überlegte Kurz oder ich tat zumindest so. „Ein schreckliches Erlebnis, mit dem er nicht umgehen konnte“? Stellte ich den Satz, als frage an ihn. Auch er schien nun zu überlegen. „Das muss schon was sehr schreckliches gewesen sein“.

 

Ich sah auf meine Uhr und leerte den Rest des Kaffees, der nun schon kalt war. „Entschuldigen sie mich. Ich habe noch Termine“. Sagte ich dann und stand auf. Er sah mich erschrocken an. „oh, ja, es tut mir leid ihre Zeit so in Anspruch genommen zu haben.“ Ich lächelte ihm zu. „Es war keine Zeitverschwendung. Bis zum nächsten Mal“. Verabschiedete Ich mich von ihm und verließ, nachdem ich gezahlt hatte das Café.

Ich spürte seinen Blick, als ich gerade aus der Tür rauswollte und dann rief er. „Ja bis zum nächsten Mal. Vielleicht, morgen“? Das letzte Wort klang bittend. Ohne mich umzudrehen, hob ich die Hand und nickte.

 

Ich wusste, dass ich das nicht tun sollte, das ich schon einen Fehler begangen hatte, mich mit ihm zu unterhalten und ihm in seine Augen zu sehen. Meistens trug ich tagsüber eine dunkle Brille oder sogar Kontaktlinsen um einen direkten Augenkontakt zu vermeiden. Die Menschen um mich herum, sollten einen neutralen Menschen in mir sehen, nichts was die begehrten. Ich würde diesen Fehler wieder beheben müssen. Wenn er nicht von sich aus ging, müsste ich ihn töten oder zu einem wie ich es war machen.

Mein Weg führte mich nach Hause. Ein Haus das nun schon einige Generationen in meinem Besitz war. Immer wenn es an der Zeit war, das der Eigentümer zu alt wurde, verkaufte oder vererbte ich das Anwesen an die nächste Generation. Dass ich das selbst war, wusste natürlich niemand. Anfangs versuchte ich ein normales Leben zu führen. Versuchte mich in diversen Jobs und verliebte mich sogar. Aber wie sollte man dem Partner erklären, das man nicht altert, wenn er einem immer noch so sah wie man vor zwanzig Jahren aussah? Wie sollte man im Beruf erklären das man für den einen ein Mann und für einen andern eine Frau ist? Und so zog ich mich immer mehr zurück, zog für den Alltag eine Brille oder Kontaktlinsen an und seit es das Internet gab, hatte ich auch keine Geldsorgen mehr.

 

Der nächste Tag begann und wieder führte mich mein Weg in das Cafe, wo mein gestriger Gesprächspartner auf mich wartete. Schon beim hereinkommen, lächelte er und so ging ich direkt auf ihn zu. Schon länger musste ich keine Bestellung mehr aufgeben, da ich immer einen Kaffee nahm. Kurz nachdem ich mich gesetzt hatte, kam auch schon mein Kaffee. Der junge Mann stand auf, reicht mir die Hand. „Ich hatte mich gestern nicht vorgestellt. Mein Name ist Jonas Panz, ich bin Psychologiestudent an der Uni hier im Nachbarort und ich befasse mich intensiv mit den Morden“. Jetzt sah ich ihn fragend an. „Warum erzählen sie mir das“?

„Sie hatten mich gestern gefragt, wie ich das sehe, dann mussten sie plötzlich gehen und ich hätte gern noch weiter mit ihnen geredet, auch über den Fall“.

Mir war noch immer unklar warum er das wollte, als mir einfiel, dass er mir ja in die Augen gesehen hatte und ich für ihn nun mehr als nur ein Gast in diesem Cafe war. Er hatte für sich einen Mann vor sich, in dem er sich verlieben konnte. Ich sah mich um. „Lassen sie uns etwas abseits der Massen reden“. Sagte ich und deutete auf einen Tisch in einer Ecke. Er nickte und wir setzten uns um. Ich hätte ihn auch einfach heute Abend zu mir einladen, ihn verführen und dann. Doch so leicht war das nun nicht mehr, nicht jetzt wo wir zusammen gesehen worden waren.

 

„Nun wollen sie mir erzählen was sie von den Morden halten“? Fragte ich ihn, als wir beide wieder saßen. „Ja, wie ich gestern schon sagte, kann es keine einzelne Person sein, das Morden geht schon länger, als ein normaler Mensch leben kann“. „Und was wenn es wirklich nur eine Person ist? Was wenn es kein normaler Mensch ist?“ Fragte ich ihn. „Wie meinen sie das“? Kam es neugierig von ihm. „Nun ja, ich kann es ihnen hier schwer erklären. Aber wenn sie wollen, kommen sie mit zu mir und ich zeige ihnen was ich meine“. Bot ich ihm an, wieder in dem Wissen einen Fehler zu begehen. Natürlich nahm er das Angebot an, er hatte ja den Menschen vor sich, in dem er nur Positives sah, den Mann der für ihn einen Traum widerspiegelte. Und so bezahlte ich unsere Rechnung, verließ mit ihm das Cafe und führte ihn zu meinem Anwesen. „Ich dachte nie, das hier jemand wohnt. Seit wann gehört es ihnen, doch sicher erst seit kurzem“? Fragte er. Ich holte tief Luft. „Es gehört mir seit 1856. wenn sie gut recherchiert haben, muss ihnen aufgefallen sein, das die Morde in diesem Jahr angefangen haben, das sie anfangs noch sehr stümperhaft untersucht wurden aber das man bis heute zu keinem Ergebnis gekommen ist“. Redete ich emotionslos drauf los. Er hatte ein Gesichtsausdruck, als müsste er das gehörte erst einmal verarbeiten. „Darf ich ihnen etwas zu trinken anbieten“? Versuchte ich die Situation etwas aufzulockern. „Ehm, das, soll jetzt nicht heißen, dass sie? Das ihnen?. Was? Wie? Ja, etwas zu trinken wäre jetzt gut und einen Platz zum Sitzen“. Stammelte er etwas verloren vor sich hin. Mit einem schmunzeln auf den Lippen führte ich ihn in mein Wohnzimmer und reichte ihm ein Glas Cognac. „Sie werden es brauchen“. Sagte ich, als er es nur zögernd annahm. „Das eben war doch nur ein Scherz oder wollen sie mir weiß machen, dass sie, lassen sie mich ausrechnen, ungefähr Hundertachtzig Jahre sind“? „Um es genau zu sagen, bin ich Hundertdreiundsechzig“. Korrigierte ich ihn. „Sie sehen nur einen Mann vor sich, der um die vierzig Jahre ist. Das sagt mir, das sie auf Männer stehen, auf Männer die älter sind als sie selbst“. Erklärte ich weiter. „Jaa, aber was wollen sie mir damit sagen. Sie können unmöglich so alt sein oder doch Jünger als sie aussehen? Ich verstehe kein Wort mehr. Wollen sie mir damit sagen, dass sie kein Mensch sind? Aber was sind sie dann? Ein Vampir“? Das war das erste Mal seit langem, das ich lachen musste. „Nein, ich bin kein Vampir. Ich trinke auch kein Blut und wie sie wissen, scheue ich auch das Tageslicht nicht“. „Ja, aber“. Begann er wieder. Doch ich unterbrach seinen Satz. „Kommen sie mit“. Befahl ich etwas forsch. Ich führte ihn in einen Raum, der heute meine Bibliothek. „Als mein Vater noch lebte, war das hier das Zimmer, wo sich die Männer der Oberschicht traf, um zu Rauchen, Trinken zu Spielen und sich von jungen Männern befriedigen zu lassen. Fast täglich trafen hier neue Opfer ein, um dann für die Wochenenden bereitzustehen“. Auch das erzählte ich ohne die kleinste Emotion. In seinem Gesicht konnte ich sehen das er sich genau das Vorstellte. „In ihren Augen kann ich sehen, das sie genau auf diesen Typ Mann stehen, der hier ein und aus ging, es ist fast so, als sehe ich darin meinen Vater“. Als ich das sagte, stand ich vor ihm und sah ihn wieder in seine Augen. Dann trat ich einige Schritte von ihm weg, schüttelte meinen Kopf und schnaufte. „Ich war vierundzwanzig, in etwa so alt wie sie jetzt, als mein Vater mich in die Gesellschaft, wie er es nannte, einführen wollte. Er rauchte, trank und spielte. Der Einsatz war bei jedem der feinen Herren einer der jungen Männer, die sie unter der Woche gesammelt hatten. Ich fand es widerlich und hielt mich abseits. Doch an diesem Abend verlor mein Vater und das wollte er nicht zulassen, so setzte er erst sein Geld ein und dann mich. Er verlor alles“. Ein erschrockenes keuchen, riss mich aus meiner Erzählung. „Soll ich hier enden“? Fragte ich. „Nein, bitte erzählen Sie weiter. Ich wollte Sie nicht unterbrechen“. Entschuldigte er sich und trank nun zum ersten mal an seinem Glas. Er würde den Cognac in seiner Kehle brennen spüren, etwas das mir nicht mehr möglich war, da ich seit dieser Nacht nichts mehr spürte. Ob es nun angenehm oder schmerzhaft war.

„Ich kann die Gesichter der Männer noch vor mir sehen, als stünden sie genau hier. Die schreie, die vorher noch von den andern waren, kamen plötzlich aus meinem Mund. Ich bettelte und flehte meinen Vater an. Lass nicht zu, dass sie das mit mir tun. Als die neun Männer endlich von mir abließen, war ich mehr Tod als Lebendig und verlor das Bewusstsein. Als ich erwachte war, mein Körper überseht mit Wunden und Quetschungen. Alles tat mir weh und es war dunkel um mich herum und so sah ich nicht, wo ich mich befand. Es war kalt und nass aber ich war nicht allein. Etwas bewegte sich neben mir, kam auf mich zu und berührte mich. Ich versuchte wegzukriechen, keuchte vor Schmerz auf und wurde erneut gepackt und festgehalten. Dann legten sich warme Lippen auf meine und ich spürte erneut einen starken Schmerz. Wieder schwand mir mein Bewusstsein und als ich dann zu mir kam, war ich das, was ich jetzt bin“.

 

Als ich nun geendet hatte, sah ich Tränen in seinen Augen funkeln. „Was genau sind sie jetzt“? Kam es flüsternd von ihm. „Um das selbst genau zu wissen, brauchte ich fünf Jahre. Meine ersten Morde begann ich allerdings schon wenige Tage danach. Ich merkte schnell das mit mir etwas nicht stimmte. Meine Wunden waren verschwunden, ich spürte weder Kälte noch Hitze, weder Hunger noch Durst. Noch hatte ich das Bedürfnis nach schlaf. Doch etwas war da, etwas das mich nicht zur Ruhe kommen ließ, das mein Herz zum Rasen, meine Finger zum Zittern brachte und das mir fast den verstand raubte. Ich versuchte einen Ausgang aus diesem finsteren Loch zu finden und hatte Glück. Nach einer halben Ewigkeit des Suchens und Stolperns fand ich einen Weg nach draußen. Ich brauchte, dann noch einige Tage um herauszufinden wie ich zurück in meine Heimatstadt kam. Mein Vater und seine Freunde brachten ihren Abfall in eine Höhle weit weg von der Stadt. Doch eines Abends stand ich wider vor dem Haus, in dem wir uns jetzt aufhalten. Es war nur spärlich beleuchtet und so kam ich unbemerkt hinein. Das Haus war ungewohnt leer und still, das machte es mir leicht zu meinem Vater zu gelangen. Als ich vor ihm stand, war er der einzige der mich wider erkannte. Erst später, nachdem ich begriffen hatte, was ich in den Augen der anderen war. Wurde mir bewusst, dass auch mein Vater mich begehrte. An diesem Abend sah ich Angst in seinen Augen und es war nicht meine“.

 

Beim Erzählen meiner Lebensgeschichte, lief ich auf und ab. Sah mir Jonas immer wieder an und versuchte in seinem Gesicht zu erkennen, was er dachte oder fühlte. Er schien geschockt zu sein. Nur konnte ich nicht erkennen was ihn mehr entsetzte. Das Wissen einen Killer vor sich zu haben oder zu erfahren wie ich zu dem wurde? „Haben sie ihren Vater getötet“? Wollte er wissen. Ich nickte. „Ja. Da war ein Verlangen in mir. Ähnlich wie Hunger und Durst. Nur viel stärker. Es ließ mich instinktiv handeln. Ich kam auf ihn zu, auch als er zurückwich, bis es keinen Raum mehr zwischen uns gab.

Nun war er derjenige, der bettelte und flehte ihm nichts zu tun. Doch den Gefallen tat ich ihm nicht. Ich legte meine Hände an seine Kehle und drückte zu, bis ich sah, das jede Spur von Leben aus ihm gewichen war. Das Gefühl das ich für Hunger oder Durst hielt, trieb mich nun dazu meinen Mund auf seinen zu legen und seine Seele in mir aufzunehmen „. Wieder machte ich eine Pause, damit er das gehörte verarbeiten konnte. „Wieso wurden die andern nicht auch so wie sie, warum sind sie noch am Leben“? Ich füllte sein leeres Glas mit Wasser auf und erzählte dann weiter. „Wie gesagt, ich brauchte fünf Jahre um herauszufinden, wer mir das angetan hat. Als ich ihn fand, bekam ich, auf dieselbe frage die sie mir eben gestellt haben, eine Antwort. Die Seele und der Mensch, bilden eine Einheit und nur wenn der Mensch Tod ist, löst sich die Seele ganz von ihm ab. Er hatte den Fehler begangen einem halbtoten sie Seele entzweizubrechen und aus mir das zu machen was ich nun bin. Ein Seelenbrecher. Weder Tod noch lebendig. Wenn mich der Hass auf diese Männer damals nicht dazu geführt hätte sie erst zu Töten und ihnen dann die Seele zu lösen. Dann wäre auch mir dieser Fehler unterlaufen.

 

Er war still, sicher dachte er nun über alles nach. Und so sagte auch ich nichts, um ihm die nötige Zeit zu lassen. Dann hob er den Kopf und sah mich an. „Was werden sie nun tun, da ich all das über sie weiß“?

Ich sah ihn nun auch an. „Darf ich sie zuerst etwas fragen“? Wehrte ich seine Frage ab. Er nickte. „Was würden sie tun, wenn sie wüssten, dass heute der letzte Tag ihres Lebens wäre“?

Er atmete tief ein. „Ich spüre keine Angst, auch wenn ich es sollte. Jede einzelne Sekunde bewusst leben, auch körperlich, wäre wohl die beste Antwort auf ihre, deine Frage“. Ich gab ein verächtliches Lachen von mir. „Das hatte ich erwartet“.

Sagte ich kühl.

Mir war auch nicht entgangen das er zum Du gewechselt war. Er wollte also mit seinem Killer intim werden?

In wenigen Schritten war ich bei ihm und riss ihn auf die Füße. Ich wollte ihm in die Augen sehen, wenn sein Leben erlosch. Er wehrte sich nicht, doch als sich unsere Blicke dieses Mal trafen, erschrak ich. Zum Ersten mal seit 163 Jahren erkannte ich Mich selbst in den Augen eines anderen wieder. Wie konnte das sein? Noch vor wenigen Stunden sah ich darin einen Mann, der mein Vater hätte sein können.

Ich lies von ihm ab. „Ich sehe schon einige Zeit nicht mehr das Monster in dir. Bitte lass mich bis zum Ende des Tages bei dir sein und dann nimm, was ich dir freiwillig gebe. Mein Leben und meine Seele“. Sagte er kaum noch hörbar. Er war mir entgegengekommen und stand nun ganz nah bei mir. „Deine Kraft wirkt nicht mehr auf mich“. Setzte er noch hinzu. Ich glaubte ihm nicht aber als Henkersmahlzeit, sollte er haben, was er sich wünschte. Ich führte ihn in mein Schlafzimmer und schon an der Tür begann er sich zu entkleiden. Als wir das Bett erreichten stand er nackt und zitternd vor mir. „Ich will es so“. Flüsterte er. Ich nickte und zog mich auch aus. „Ich gebe dir, was du dir wünschst, aber meinen Kuss wirst du nicht mehr spüren“. Sagte ich und dachte. Du wirst Tod sein, wenn sich unsere Lippen berühren.

 

Er nickte nur, wendete aber seinen Blick nicht von mir ab. Ich dachte an die Zeit zurück, als ich dass, das letzte Mal hatte. Schon lange kam es nicht mehr dazu, weder gewollt noch erzwungen. Die Seelen meiner Opfer waren mir wichtiger als die Befriedigung meiner Gelüste. Doch das hier war anders. Hier wollte ich ihm seinen letzten Wunsch erfüllen. Und mehr noch hier wollte ich Sex.

Er ließ mir die Führung und als ich mich dann in ihn versenkte Krallte er seine Finger in meine Haut. Es war schon zu lange her, aber das war etwas, das ich vermisst hatte. Doch erst jetzt wurde es mir wieder bewusst.

Sein Stöhnen lenkte mich von meinen Gedanken ab und ich sah in seine Augen. Es war Glück darin zu sehen und noch immer erkannte ich mich selbst darin. Langsam kamen wir dem Höhepunkt nahe. Als er soweit war, legte ich meine Hand auf seine Kehle und drückte zu. Ich sah zu, wie seine Sinne schwanden und dann war es auch für mich soweit, ich kam in ihm. Dann legte ich meine Lippen auf seine und brach ihm seine Seele. Als er erwachte war es, als würde ein ertrinkender wieder die Wasseroberfläche erreichen. Er keuchte und sah mich ungläubig an. „Ich lebe noch“? Fragte er. „Hätte ich dich getötet, dann wäre es so, als würde ich den einzigen Spiegel zerbrechen in dem kein Monster erscheint, wenn ich hineinsehe“. Lächelnd näherte er sich mir, doch vor einem weiteren Kuss hielt er inne und so beendete ich, was er angefangen hatte. „Jetzt sind wir für den andern nicht mehr gefährlich“. Flüsterte ich und küsste ihn leidenschaftlich.

 

Auch wenn ich an diesem Tag vieles von mir erzählt hatte, musste ich nun mehr über ihn erfahren und er würde noch vieles von mir lernen müssen.

In gewisser Art und weiße hatte ich ihm sein Leben genommen und ein neues gegeben. Was er nun daraus machte, lag in seinen Händen.

Mit einer tiefen Verbeugung beende ich nun meine Geschichte.
Ihr ergebener Alexander Rupert der Dritte.

 

[Gesamt:14    Durchschnitt: 4.4/5]

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